Verhaltenssüchte in Deutschland
Verhaltenssüchte sind Störungen und Krankheiten, bei denen ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Tätigkeit zwanghaft ausgeübt wird.
Glücksspiel
Nur wenige Verhaltenssüchte sind bislang anerkannt und definiert.
Während substanzgebundene Sucht und Abhängigkeit von einzelnen Substanzen seit relativ langer Zeit geläufig ist, wird in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren vermehrt das Problem von stoffungebundenen bzw. Verhaltenssüchten ersichtlich und diese stärker in den Fokus genommen. Im Grunde wirken diese ähnlich auf das sogenannte Belohnungssystem im Gehirn und auch die diagnostischen Kriterien für beispielsweise einer Störung durch Glücksspielen ähneln denen für eine Abhängigkeit durch eine Substanz.
Nichtdestotrotz erweisen sich exakte Bestimmungen und Definitionen verschiedener Verhaltenssüchte als schwierig. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass die beiden internationalen Klassifikationssysteme für (psychische) Krankheiten, ICD sowie DSM selbst in ihren neuesten Ausgaben (ICD-11 und DSM-5) lediglich die Glücksspielstörung sowie die (Internet)-Computerspielsucht anerkennen, das heißt, nur für diese existieren gültige Diagnoseschlüssel (im Falle des DSM-5 wird die (Internet)-Computerspielsucht lediglich als mögliche Verhaltenssucht beschrieben, wofür weitere Forschung notwendig ist).
Nicht zuletzt aufgrund der vielfach noch nicht abgeklärten Definitionen gibt es aktuell relativ wenige repräsentative Erhebungen und Zahlen zu Verhaltenssüchten.
Ausnahme ist hier die Glücksspielsucht, für die es sowohl verlässliche Daten zu dessen Verbreitung, als auch zu den gesundheitlichen Folgeschäden gibt, unter anderem auch, wie viele Menschen unter einer Störung durch Glückspielen leiden oder sich wegen einer Glücksspielproblematik in eine suchttherapeutische Behandlung begeben. Einen Überblick hierzu finden Sie auf der Seite "Glücksspiel".
Deutlich schwieriger ist die Datenlage im Bereich internetbezogener Störungen, wofür aktuell eher vorläufige Daten zur Computerspielstörung, Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung, Online-Shopping-Störung und Online-Pornografie-Nutzungsstörung vorliegen. Diese finden Sie auf der Seite "Internetbezogene Störungen".
"Verhaltenssüchte wie problematischer Medienkonsum, exzessives Kaufen oder Gaming betreffen viele Menschen und bleiben oft lange unbemerkt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen entwickeln sich diese Muster schleichend: Der Alltag richtet sich zunehmend nach Bildschirm, Spiel oder Konsum, während Schule, soziale Kontakte und Schlaf in den Hintergrund geraten. Entscheidend ist deshalb frühes Erkennen. Wir brauchen niedrigschwellige Hilfen sowie Beratung für Familien und Schulen, die aufklärt, wie riskantes Verhalten entsteht und wie man gegensteuern kann. Gleichzeitig braucht es klare Spielregeln im digitalen Raum – mit wirksamer Alterskontrolle, transparenten Schutzmechanismen und konsequenter Durchsetzung."
Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen