Medikamentenkonsum in Deutschland
Männer sind häufiger von Medikamentenabhängigkeit betroffen als Frauen.
Medikamente
Etwa 1,1 Millionen Personen gelten in Deutschland als medikamentenabhängig.
Korrekt angewendet gehören Arzneimittel zu den wirksamsten und zentralsten Instrumenten der medizinischen Versorgung. Einige Medikamente können aber bei falscher Anwendung süchtig machen oder zu Rauschzwecken missbraucht werden. Das Suchtrisiko ist deutlich höher bei Medikamenten, die auf das zentrale Nervensystem einwirken. Besonders bei starken (opioidhaltigen) Schmerzmitteln ist Vorsicht geboten, da diese sehr schnell abhängig machen können.
Etwa 2,2 % der 18- 64-jährigen in Deutschland erfüllen die Kriterien für eine Abhängigkeit von Medikamenten. Deshalb muss genau hingeschaut und eine – nicht immer leichte – Balance sichergestellt werden: Einerseits sollen Patientinnen und Patienten ihre Medizin schnell und einfach bekommen, andererseits muss Missbrauch verhindert werden.
Verbreitung
Wie viele Personen in Deutschland nehmen Medikamente ein?
Im Jahr 2024 gaben gut 40 % der 18-64-jährigen an, in den vergangenen 30 Tagen mindestens ein Medikament eingenommen zu haben.
Für Jugendliche werden keine bundesweiten Daten zum Thema Medikamentengebrauch und ‑missbrauch erhoben, sodass keine Gesamtaussage möglich ist. Es liegen Daten für einzelne Bundesländer und Städte vor, die sich jedoch bezüglich erhobener Altersgruppen und weiterer methodischer Aspekte unterscheiden. Beispielsweise werden für Bayern Trends seit 2003 in der ESPAD-Studie berichtet. Für Hamburg und Bremen/Bremerhaven werden in der SCHULBUS-Erhebung Trends seit 2012 dargestellt, für Frankfurt am Main im MoSyD-Jahresbericht seit 2013.
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Datenquelle
Epidemiologischer Suchtsurvey
Epidemiologischer Suchtsurvey
Wie viele erwachsene Personen in Deutschland nehmen Medikamente ein? Dieser Frage gehen die Erhebungen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) nach. Dabei werden Erwachsene unter anderem gefragt:
- ob sie in den vergangenen 12 Monaten bei mindestens einer Gelegenheit (opioidhaltige) Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel oder andere Medikamente konsumiert haben und
- ob sie die verschiedenen Arzneimittelgruppen mindestens ein Mal pro Woche einnehmen.
Der ESA ist eine seit 1980 regelmäßig durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Studie zur Erfassung des Konsums psychoaktiver Substanzen und substanzbezogener Belastung in der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland. Seit 1997 finden die Erhebungen alle drei Jahre statt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2024.
Die Daten werden mithilfe eines selbstauszufüllenden Fragebogens erfasst. Neben einer schriftlichen Beantwortung kann der Fragebogen seit 2006 zusätzlich mithilfe telefonischer Interviews sowie seit 2009 auch online beantwortet werden. Es handelt sich um Fragen zum Konsum von Tabak, Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten der Befragten. Neben der Einschätzung des aktuellen Substanzkonsums können durch die Berücksichtigung zeitlicher Trends gesundheitspolitisch problematische Entwicklungen erkannt werden.
Zielpersonen des ESA sind deutschsprachige, in Privathaushalten lebende Personen, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 18 und 64 Jahren alt sind. Die Ziehung der Personenstichprobe erfolgt auf Basis der Einwohnermelderegister in einem Zufallsverfahren. Die angestrebte Stichprobengröße für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren umfasst 8.000 Personen. Seit der Erhebung im Jahr 2024 werden darüber hinaus Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren befragt.
Die dargestellten Daten zur Medikamenteneinnahme sind dem aktuellen Kurzbericht (Tabelle 1 und Tabelle 3) entnommen. Ergebnisse zu den opiodhaltigen Schmerzmitteln basieren auf einer Sonderauswertung, die in dieser Form bislang nicht anderweitig veröffentlicht wurde.
Ergebnisse
12-Monats-Einnahme
12-Monats-Einnahme
5,1 %
5,1 der 18- bis 64-Jährigen haben in den vergangen 12 Monaten mindestens ein Mal ein opioidhaltiges Schmerzmittel eingenommen. Dies sind zwar 4 Prozentpunkte niedriger als im Jahr 2015, allerdings wieder signifikant höher als noch 2021 (4,0 %). Personen zwischen 40 und 59 Jahren (6,5 %) sowie ab 60 Jahren (7,2 %) sind häufiger betroffen als 18- bis 24-jährige (3,6 %) bzw. 25- bis 39-jährige (2,9 %).
8,3 %
8,3 % der Befragten gaben im Jahr 2024 an, Schlaf- und Beruhigungsmittel genommen zu haben. Seit dem Jahr 2012 (8,7 %) sind bei den Schlaf- und Beruhigungsmitteln leichte Schwankungen ohne klaren Trend zu verzeichnen.
Geschlechtsunterschiede
Geschlechtsunterschiede
+/- 0
Opioidhaltige Schmerzmittel, die ein deutlich erhöhtes Abhängigkeitspotential aufweisen, werden von Frauen (5,0 %) und Männern (5,2 %) in etwa gleich häufig eingenommen. In den vorherigen Erhebungen lag der Anteil der Frauen noch höher als der der Männer.
Auch bei den Schlaf- und Beruhigungsmitteln weisen Männer (8,2 %) im Jahr 2024 erstmals ähnlich hohe Werte wie Frauen (8,4 %) auf. Diese Angleichung entsteht durch einen Anstieg der Prävalenz bei den Männern zwischen 2021 und 2024.
Behandlung
Inanspruchnahme der Versorgungssysteme
Im Jahr 2024 wurden circa 14.000 Fälle von medikamentösen Vergiftungen in Krankenhäusern behandelt. Dies geht aus den Ergebnissen der Krankenhausstatistik hervor. Die Identifikation der Substanz, mit der eine Vergiftung erfolgte, ist oftmals komplex. So entfallen gut 21 % dieser Vergiftungsfälle auf eine Vergiftung durch „Sonstige und nicht näher bezeichnete Arzneimittel, Drogen und biologisch aktive Substanzen“ und etwa 29 % auf Vergiftungen "durch psychotrope Substanzen, anderenorts nicht klassifiziert ". Medikamentöse Vergiftungen mit Suizidabsicht sollten in den hier berücksichtigten Diagnosen nicht enthalten sein, da diese im Rahmen der Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) anderweitig erfasst werden. Vereinzelte Fehlklassifikationen sind jedoch nicht auszuschließen.
Aus der Deutschen Suchthilfestatistik können keine verlässlichen Aussagen zur Anzahl der Behandlungen und Beratungen aufgrund der Diagnose einer „Medikamentenabhängigkeit“ getroffen werden. Diese existiert nicht als eigene Hauptdiagnose in der ICD-basierten Diagnostik. Medikamentenabhängigkeit kann unter anderem in den Diagnosen „Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika“ (F13) für Beruhigungsmittel oder „Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide“ (F11) für opioidhaltige Schmerzmittel enthalten sein.
ℹ Hinweis zur Abbildung Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Insgesamt") können Sie einzelne Linien aus- und wieder einblenden.
Datenquelle
Krankenhausstatistik
Krankenhausstatistik
In der Krankenhausstatistik melden sämtliche öffentliche und private Krankenhäuser in Deutschland verpflichtend Daten zu ihren entlassenen vollstationären Patientinnen und Patienten (Vollerhebung). Daten umfassen unter anderem die Erkrankungsart (Hauptdiagnose), Verweildauer, Fachabteilung sowie soziodemographische Merkmale der Patientinnen und Patienten (z. B. Alter, Geschlecht, Wohnort). Die Angaben umfassen auch die im Krankenhaus verstorbenen, nicht jedoch vor-, nach-, teilstationär oder ambulant behandelte Patientinnen und Patienten.
Krankenhausaufenthalte können hiermit detailliert nach Hauptdiagnosen aufgeschlüsselt ausgewertet werden. Die Hauptdiagnose wird gemäß dem Klassifikationssystem ICD-10 verschlüsselt.
In die Auswertung der Krankenhausaufenthalte der medikamentösen Vergiftungen flossen sämtliche Diagnosen der Gruppe „Vergiftungen durch Arzneimittel, Drogen und biologisch aktive Substanzen“ (ICD10-Codes T36-T50) mit Ausnahme der Gruppe „Vergiftung durch Betäubungsmittel und Psychodysleptika“ (T40) ein.
Medikamentöse Vergiftungen mit Suizidabsicht sollten in den hier berücksichtigten Diagnosen nicht enthalten sein, da diese im Rahmen der Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) anderweitig erfasst werden (X60 - X84).
Die dargestellten Daten sind der Gesundheitsberichterstattung des Bundes entnommen.
Ergebnisse
Krankenhausaufenthalte
Krankenhausaufenthalte
13.929
13.929 Krankenhausaufenthalte gingen 2024 auf medikamentöse Vergiftungen zurück. Dieser Wert ist seit 2002 beinahe kontinuierlich gesunken und lag 2002 mit 46.664 Fällen noch mehr als drei Mal so hoch.
⅔
Bei den Krankenhausaufenthalten durch medikamentöse Vergiftungen sind Frauen häufiger betroffen als Männer. So entfallen etwa 64 % der Fälle im Jahr 2024 auf Frauen, 36 % betrafen Männer.
Giftinformationszentren
Giftinformationszentren
47 %
Die hohe Relevanz von potenziellen Vergiftungsfällen mit Medikamenten zeigen die Zahlen verschiedener Giftinformationszentren (GIZ) in Deutschland. So bezogen sich im Jahr 2021 etwa 30 % aller eingegangenen Anrufe im GIZ des Landes Nordrhein-Westfalen auf Medikamente. Laut dem GIZ Nord (2024) liegt der Anteil der Anrufe, die sich auf eine potenzielle Vergiftung mit Medikamenten beziehen, bei ca. 38 % aller Anrufe. Unter Erwachsenen liegt der Anteil aller Anrufe laut dem GIZ in München (2024) sogar bei ca. 47 %.
Folgeschäden
Zu welchen gesundheitlichen Folgeschäden kann der Konsum von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial führen?
1,1 Millionen Erwachsene von 18 bis 64 Jahren gelten als medikamentenabhängig. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommen die alle sechs Jahre stattfindenden vertieften Erhebungen zum Substanzkonsum im Rahmen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA).
Die Abbildungen unten zeigen die Werte für Erwachsene für Medikamente allgemein, opioidhaltige Schmerzmittel, Schlafmittel sowie Beruhigungsmittel, getrennt für Männer und Frauen im Jahr 2024, als die Zahlen zuletzt erhoben wurden.
Bundesweite Daten für Jugendliche werden nicht systematisch erhoben, so dass diese hier nicht dargestellt werden können.
ℹ Hinweise zu den Abbildungen Am oberen Rand der u. s. Abbildung können Sie sich mittels der Buttons (z. B. "Schmerzmittel") durch verschiedene Ansichten klicken. Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Männer") können Sie zudem einzelne Balken aus- und wieder einblenden.
Datenquelle
Epidemiologischer Suchtsurvey
Epidemiologischer Suchtsurvey
Der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) ist eine seit 1980 regelmäßig durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Studie zur Erfassung des Konsums psychoaktiver Substanzen und substanzbezogener Belastung in der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland. Seit 1997 finden die Erhebungen alle drei Jahre statt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2024.
Die Daten werden mithilfe eines selbstauszufüllenden Fragebogens erfasst. Neben einer schriftlichen Beantwortung kann der Fragebogen seit 2006 zusätzlich mithilfe telefonischer Interviews sowie seit 2009 auch online beantwortet werden. Es handelt sich um Fragen zum Konsum von Tabak, Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten der Befragten. Neben der Einschätzung des aktuellen Substanzkonsums können durch die Berücksichtigung zeitlicher Trends gesundheitspolitisch problematische Entwicklungen erkannt werden.
Alle sechs Jahre erfolgt zudem eine vertiefte Erhebung von Substanzkonsumstörungen mithilfe eines standardisierten Fragebogens. Anhand dessen kann geschätzt werden, wie viele Personen die Diagnosekriterien der Medikamentenabhängigkeit bzw. des -missbrauchs gemäß einem internationalen Diagnose-Klassifikationssystem (DSM-IV) erfüllen.
Zielpersonen des ESA sind deutschsprachige, in Privathaushalten lebende Personen, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 18 und 64 Jahren alt sind. Die Ziehung der Personenstichprobe erfolgt auf Basis der Einwohnermelderegister in einem Zufallsverfahren. Die angestrebte Stichprobengröße für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren umfasst 8.000 Personen. Seit der Erhebung im Jahr 2024 werden darüber hinaus Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren befragt.
Die hier dargestellten Daten sind dem Kurzbericht 2018 (Tabelle 15 und 16) entnommen.
Ergebnisse
Abhängigkeit und Missbrauch
Abhängigkeit und Missbrauch
1,1 Mio.
1,7 % der Frauen sowie 2,6 % der Männer gelten in Deutschland als abhängig von Medikamenten. Dies entspricht etwa 400.000 Frauen und circa 700.000 Männern zwischen 18 und 64 Jahren.
700.000
Etwas geringer liegt die Zahl derer, die einen Medikamentenmissbrauch aufweisen. 1,7 % der Männer und 1,1 % der Frauen entsprechen hochgerechnet gut 700.000 Erwachsenen in Deutschland.
1 %
Die Abhängigkeits- und Missbrauchszahlen für sowohl opioidhaltige Schmerzmittel als auch Beruhigungsmittel liegen jeweils bei ca. 1 %. Noch geringer ist dabei der Anteil derer, die eine Abhängigkeit oder einen Missbrauch von Schlafmitteln aufweisen. Insgesamt sind dabei Männer häufiger betroffen als Frauen.
Markt
Umsatz des Arzneimittelmarkts
Von besonderem Interesse ist die Entwicklung der Anzahl der verordneten Medikamente mit hohem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, hier: Opioidhaltige Schmerzmittel und Benzodiazepine.
Daten aus dem jährlich erscheinenden Arzneiverordnungs-Report zeigen dabei, dass bei den Verordnungen von opioidhaltigen Schmerzmitteln in den vergangenen Jahren leichte, aber stetige Anstiege zu verzeichnen sind. Bei Benzodiazepinen ist seit einigen Jahren ein deutlicher Rückgang zu sehen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass der Arzneiverordnungs-Report ausschließlich Verordnungen erfasst, deren Kosten für gesetzlich Krankenversicherte von der Krankenkasse übernommen werden. Privatverordnungen für gesetzlich Krankenversicherte sowie für Privatversicherte werden nicht berücksichtigt.
Im Fokus: Benzodiazepine
Im Fokus: Benzodiazepine
Benzodiazepine sind eine Medikamentengruppe von rezeptpflichtigen Beruhigungs- und Schlafmitteln. Sie werden in der Regel zeitlich eng begrenzt gegen Ein- und Durchschlafstörungen, Angstzustände, Panikattacken, Epilepsie und zur Muskelentspannung verschrieben. Eine längere Einnahme kann eine körperliche Abhängigkeit erzeugen. Das abrupte Absetzen von Benzodiazepinen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Problematisch ist insbesondere, dass Benzodiazepine teilweise nicht gemäß der Leitlinie und mitunter über einen längeren Zeitraum verschrieben werden. Knapp 2/3 der Verschreibungen entfallen auf Frauen und circa die Hälfte auf Personen über 60 Jahre.
Im Fokus: Fentanyl
Im Fokus: Fentanyl
Bei der Opioid-Krise in den USA spielen opioidhaltige Medikamente – zu Beginn eine massenweise oft nicht indizierte Verschreibung von Oxycodon, später insbesondere Fentanyl – eine dominierende Rolle. Immer wieder wird die Befürchtung formuliert, dass Europa und Deutschland eine ähnliche Entwicklung nehmen könnten. Versorgungsdaten zeigen jedoch, dass die Verschreibungen insbesondere stark wirkender Opioide in Deutschland zumindest in den Jahren bis inkl. 2020 kaum gestiegen sind. Betrachtet man die verordneten oralen Morphin-Äquivalente war zwischen 2005 und 2020 zunächst ein Anstieg zu verzeichnen, der besonders in den Altersgruppen der über-60-Jährigen zu beobachten war. Zwischen 2016 und 2020 stabilisierten sich die Zahlen auf gleichbleibendem Niveau. Laut Arzneiverordnungsreport 2024 ist jedoch zwischen 2020 und 2023 ein Zuwachs von knapp 13 % bei Verordnungen opioidhaltiger Analgetika zu verzeichnen.
Auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat im Jahr 2022 seinen Warnhinweise ergänzt. Es sollte eine Indikaktionsausweitung bei Fentanyl vermieden werden und Patientinnen und Patienten im Falle einer notwendigen Fentanyl-Einnahme auf Anzeichen von Suchtverhalten überwacht werden.
Im Jahr 2024 standen 98 der insgesamt 2.137 drogenbedingten Todesfälle in Deutschland in Zusammenhang mit dem Konsum von Fentanyl.
ℹ Hinweis zu den Abbildungen Durch Klicken auf die Beschreibungen in der Grafik-Legende (z. B. „Benzodiazepine") können Sie einzelne Linien aus- und wieder einblenden.
Datenquelle
Arzneiverordnungs-Report
Arzneiverordnungs-Report
Der Arzneiverordnungs-Report hat zum Ziel eine unabhängige Informationsmöglichkeit über den Arzneimittelmarkt sowie die Arzneimittelverordnungen in Deutschland zu schaffen.
Im Report werden die Marktentwicklung sowie die Entwicklung (der Anzahl) der Verordnungen für eine Vielzahl von Medikamentengruppen abgebildet. Die Auswertungen im Report basieren auf den Verordnungsdaten des Arzneimittelindex der Gesetzlichen Krankenversicherungen für ambulante Patienten. Dies bedeutet, dass er ausschließlich Verordnungen erfasst, deren Kosten für gesetzlich Krankenversicherte von der Krankenkasse übernommen werden. Privatverordnungen für gesetzlich Krankenversicherte sowie Verordnungen für privat Krankenversicherte werden nicht berücksichtigt.
Die hier dargestellten Daten zu den nicht-opioidhaltigen Medikamenten entspricht der Summe der im Report genannten Daten zu den "klassischen" Nicht-Opioid-Schmerzmitteln, Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure und Metamizol.
Ergebnisse
Medikamentenverordnungen
Medikamentenverordnungen
503 Mio.
503 Millionen opioidhaltige Schmerzmittel (in Millionen definierten Tagesdosen) wurden 2023 im Rahmen der GKV verordnet.
7 Mio.
Im Jahr 2023 wurden 7 Millionen definierte Tagesdosen an Benzodiazepinen für gesetzlich Krankenversicherte verschrieben. Im Vergleich zum Jahr 2003 stellt dies einen Rückgang um über 90 % dar.
Zu beachten ist bei diesem Rückgang jedoch, dass der Arzneiverordnungs-Report ausschließlich Verordnungen erfasst, deren Kosten für gesetzlich Krankenversicherte von der Krankenkasse übernommen werden. Privatverordnungen für gesetzlich Krankenversicherte werden nicht erfasst.
In einer tiefergehenden Datenanalyse von Praxisdaten zeigten Grimmsmann und Kollegen (2022) jedoch, dass der scheinbare Rückgang der Verordnungen von Benzodiazepinen de facto nicht zutrifft, da zumindest im Analysezeitraum (2014 bis 2020) die Anzahl der Privatverordnungen von Benzodiazepinen um 5 % gestiegen ist.
"Medikamentenabhängigkeit entsteht häufig dort, wo Menschen eigentlich Hilfe suchen – und entwickelt sich dann schleichend außer Kontrolle. Digitale Vertriebswege haben dieses Risiko deutlich verstärkt: fragwürdige Anbieter, fehlende ärztliche Begleitung und unzureichende Kontrolle senken die Hemmschwelle. Viele Betroffene unterschätzen die Risiken oder nehmen Medikamente länger ein als medizinisch sinnvoll. Deshalb müssen wir sichere Verschreibungswege stärken, digitale Schlupflöcher konsequent schließen und die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung verbessern. Gute Aufklärung und frühzeitige Beratung können dazu beitragen, dass notwendige Behandlung nicht in Abhängigkeit mündet – insbesondere bei jungen Menschen."
Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen