Nikotin- und Tabakkonsum in Deutschland
Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland.
Etwa 20 % aller Krebserkrankungen sind durch das Rauchen bedingt.
In Deutschland rauchen laut Mikrozensus 2021 insgesamt 22,3 % der Männer und 15,7 % der Frauen ab 15 Jahren. Jede fünfte Neuerkrankung von Krebs ist auf Tabakkonsum zurückzuführen und über 410.000 Krankenhausaufenthalte erfolgten im Jahr 2024 wegen raucherspezifischer Erkrankungen.
Nikotin
Verbreitung
Wie viele Personen in Deutschland konsumieren Tabak / Nikotin?
Während langfristig der Anteil der Raucherinnen und Rauchern in Deutschland rückläufig ist, ist laut Daten des Epidemiologischen Suchtsurvey seit 2018 kaum mehr ein spürbarer Rückgang feststellbar: Nach wie vor rauchen etwa 22 % der 18- bis 64-jährigen. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren scheint seit dem Jahr 2019 sogar eher ein leichter Anstieg verzeichnen zu sein. Hinzu kommt ein steigender Anteil sowohl unter Erwachsenen als auch Jugendlichen, die Tabakalternativen wie z.B. E-Zigaretten rauchen.
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Datenquellen
Allgemein zum Rauchverhalten
Allgemein zum Rauchverhalten
Es gibt in Deutschland derzeit vier bevölkerungsrepräsentative Studien, die den Tabakkonsum erheben. Sie kommen aus methodischen Gründen zu unterschiedlichen Ergebnissen, wie eine kürzlich erschienene Publikation darstellt. Für die Darstellung von Langzeittrends wird hier auf die beiden am längsten laufenden Studien zurückgegriffen: für Erwachsene werden die Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) verwendet. Diese fallen insgesamt etwas niedriger aus, als die ebenfalls vorliegenden Ergebnisse der DEBRA-Studie für Erwachsene (Deutsche Befragung zum Rauchverhalten). Dabei handelt es sich um eine regelmäßig (5-6 Mal im Jahr) durchgeführte, repräsentative, persönlich-mündliche Befragung zum Konsum von Tabak, verwandten Nikotinprodukten (wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer) und Cannabis in der Bevölkerung Deutschlands. Daten liegen erst ab dem Jahr 2016 vor. Für Jugendliche werden hier im Portal die Erhebungen des BIÖG (Alkoholsurvey / Drogenaffinitätsstudie) dargestellt.
Epidemiologischer Suchtsurvey
Epidemiologischer Suchtsurvey
Wie viele erwachsene Personen in Deutschland konsumieren Tabak / Nikotin? Dieser Frage gehen die Erhebungen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) nach. Dabei werden Erwachsene unter anderem gefragt:
- ob sie in den vergangenen 12 Monaten bei mindestens einer Gelegenheit Tabak / Nikotin konsumiert haben und
- wie viele Zigaretten sie in den vergangenen 30 Tagen geraucht haben. Hieraus lässt sich errechnen, wie viele Personen "starke Raucherinnen oder starke Raucher" sind, das heißt durchschnittlich mindestens 20 Zigaretten pro Tag rauchen.
Der ESA ist eine seit 1980 regelmäßig durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Studie zur Erfassung des Konsums psychoaktiver Substanzen und substanzbezogener Belastung in der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland. Seit 1997 finden die Erhebungen alle drei Jahre statt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2024.
Die Daten werden mithilfe eines selbstauszufüllenden Fragebogens erfasst. Neben einer schriftlichen Beantwortung kann der Fragebogen seit 2006 zusätzlich mithilfe telefonischer Interviews sowie seit 2009 auch online beantwortet werden. Es handelt sich um Fragen zum Konsum von Tabak, Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten der Befragten. Neben der Einschätzung des aktuellen Substanzkonsums können durch die Berücksichtigung zeitlicher Trends gesundheitspolitisch problematische Entwicklungen erkannt werden.
Zielpersonen des ESA sind deutschsprachige, in Privathaushalten lebende Personen, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 18 und 64 Jahren alt sind. Die Ziehung der Personenstichprobe erfolgt auf Basis der Einwohnermelderegister in einem Zufallsverfahren. Die angestrebte Stichprobengröße umfasst für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren 8.000 Personen. Seit der Erhebung im Jahr 2024 werden darüber hinaus Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren befragt.
Die hier dargestellten Daten sind dem aktuellen Kurzbericht (Tabelle 1, Tabelle 4 und Tabelle 7) entnommen.
Alkoholsurvey und Drogenaffinitätsstudie
Alkoholsurvey und Drogenaffinitätsstudie
Der Konsum von Nikotin und Tabak von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird in zwei Befragungen des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG) erhoben: dem Alkoholsurvey sowie der Drogenaffinitätsstudie. Die Zielstichprobe beider Erhebungen erfasst Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren. Die Stichprobengrößen variierten in der Vergangenheit etwas. Seit 2015 beträgt sie aber für beide Erhebungen etwa 7.000 Personen.
In beiden Erhebungen werden die Fragebögen mittels eines computergestützten Telefoninterviews erhoben. Der Alkoholsurvey wurde im Zeitraum von 2010 bis 2018 alle zwei Jahre wiederholt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2021. Der Fragebogen umfasst Fragen zum Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis der Befragten. Die Drogenaffinitätsstudie wird seit 1973 alle drei bis vier Jahre erhoben. Sie umfasst Fragen zu Konsum, Motiven und Einstellungen zu Alkohol, Tabak und illegalen Drogen.
Die hier dargestellten Daten sind dem aktuellen Bericht entnommen, der im Jahr 2023 erhoben und 2025 veröffentlicht wurde, insbesondere Tabelle 19, Tabelle 21 und Tabelle 3.
Ergebnisse
30-Tages-Konsum
30-Tages-Konsum
22 %
Langfristig gesehen war der Tabakkonsum in Deutschland lange Zeit rückläufig. Seit 2018 ist ist allerdings kaum mehr ein Rückgang erkennbar. Im Jahr 2012 rauchten noch etwa 30 % der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren mindestens einmal in den letzten 30 Tagen Tabak, 2018 ca. 23 % und im Jahr 2024 sind es weiterhin rund 22 %. Hochgerechnet sind dies gut 11 Millionen Personen.
- 50 %
Unter den 12- bis 17-Jährigen sank der Anteil der Raucherinnen und Raucher zwischen 2010 (14,5 %) und 2019 (6,6 %). Seither ist dieser Wert etwa stabil bzw. stieg im Jahr 2023 auf 7,3 % wieder leicht an.
Geschlechtsunterschiede
Geschlechtsunterschiede
4 %
Männer rauchen häufiger als Frauen. Das zeigen alle Erhebungen über sämtliche Jahre hinweg. Im Jahr 2024 betrug dieser Unterschied etwa 4 Prozentpunkte: Während 23,7 % der Männer innerhalb der letzten 30 Tage Zigaretten rauchten, traf dies auf 19,7 % der Frauen zu.
1,5 x
Der Anteil der starken Raucher (mindestens 20 Zigaretten pro Tag) betrug im Jahr 2024 mit 3,5 % ca. das 1,5-fache des Anteils der starken Raucherinnen (ca. 2,2 %).
+/- 0
Bei Jugendlichen waren in den Erhebungen seit 2010 kaum Geschlechterunterschiede beim Rauchen erkennbar. 2023 rauchten 7,9 % der männlichen Jugendlichen und 6,8 % der weiblichen Jugendlichen in den letzten 30 Tagen, was einem Unterschied von etwas mehr als einem Prozentpunkt entspricht.
Starkes Rauchen
Starkes Rauchen
3 %
Der Anteil der “starken Raucherinnen bzw. starken Raucher” unter Erwachsenen, also jener, die über 20 Zigaretten am Tag rauchen, sank zwischen 2012 und 2024 von ca. 8 % auf ca. 3 %. Jedoch ist zu bedenken, dass Tabakkonsum unter diesem Grenzwert weiterhin mit beträchtlichen gesundheitlichen Risiken einhergeht.
< 1 %
Der Wert der “stark rauchenden” Jugendlichen, also derer, die an einem Tag über zehn Zigaretten rauchten, lag im Jahr 2023 unter einem Prozent. Auch hier gilt: Der Konsum von weniger als zehn Zigaretten am Tag birgt ebenfalls erhebliche gesundheitliche Risiken.
Alternative Konsumformen von Tabak
Alternative Konsumformen von Tabak
8,3 %
Seit 2015 wird im ESA auch der Konsum von E-Zigaretten für Erwachsene erhoben. Deren Gebrauch steigt seither unter den 18- bis 64-Jährigen an, von 2,5 % im Jahr 2015 auf 8,3 % im Jahr 2024. Der beim Rauchen bekannte Geschlechterunterschied unter Erwachsenen zeigt sich auch bei E-Zigaretten: Mehr Männer (8,7 %) als Frauen (7,8 %) konsumierten im Jahr 2024 E-Zigaretten.
6,7 %
Seit einigen Jahren werden für Jugendliche auch alternative Konsumformen des Rauchens abgefragt. Im Jahr 2023 war demnach die Einweg-E-Zigarette am beliebtesten, die 6,7 % der Jugendlichen konsumierten. Es folgen Mehrweg-E-Zigaretten und die Wasserpfeife (jeweils 3,9 %) und Tabakerhitzer (0,3 %). Da in der Erhebung des Jahres 2023 die Frage nach Einweg-E-Zigaretten angepasst wurde, sind Vergleiche mit Ergebnissen zur E-Shisha aus den Vorjahren nur eingeschränkt möglich. Bei der Mehrweg-E-Zigarette und dem Tabakerhitzer ist unabhängig hiervon ein Anstieg im Vergleich zu früheren Erhebungen zu verzeichnen.
Behandlung
Inanspruchnahme der Versorgungssysteme
Im Jahr 2024 gingen gut 410.000 Krankenhausaufenthalte (und damit circa 2,3 % aller Krankenhausaufenthalte) auf raucherspezifische Erkrankungen zurück. Der größte Teil entfällt auf Lungen- und Bronchialkrebs sowie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).
Nur sehr wenige Menschen begeben sich wegen der Hauptdiagnose einer Tabakabhängigkeit in professionelle Suchtbehandlung. Aber ein großer Teil derjenigen, die wegen einer anderen Suchterkrankung professionelle Hilfe suchen, weisen auch eine Tabakabhängigkeit auf (siehe z.B. Tab. 2 und Tab. 3 des Jahresberichts der Suchthilfestatistik).
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Datenquelle
Krankenhausstatistik
Krankenhausstatistik
In der Krankenhausstatistik melden sämtliche öffentliche und private Krankenhäuser in Deutschland verpflichtend Daten zu ihren entlassenen vollstationären Patientinnen und Patienten (Vollerhebung). Daten umfassen unter anderem die Erkrankungsart (Hauptdiagnose), Verweildauer, Fachabteilung sowie soziodemographische Merkmale der Patientinnen und Patienten (z. B. Alter, Geschlecht, Wohnort). Die Angaben umfassen auch die im Krankenhaus verstorbenen, nicht jedoch vor-, nach-, teilstationär oder ambulant behandelte Patientinnen und Patienten.
Krankenhausaufenthalte können hiermit detailliert nach Hauptdiagnosen aufgeschlüsselt ausgewertet werden. Die Hauptdiagnose wird gemäß dem Klassifikationssystem ICD-10 verschlüsselt.
Die hier dargestellten Daten sind der Gesundheitsberichterstattung des Bundes entnommen.
Ergebnisse
Krankenhausaufenthalte
Krankenhausaufenthalte
410.000
Trotz eines kurfristigen Rückgangs in den beiden "Pandemiejahren" 2020 und 2021 sind die Krankenhausbehandlungen auf Grund raucherspezifischer Erkrankungen im Vergleich zu den früheren 2000er Jahren deutlich angestiegen, v. a. bei COPD gab es im Vergleich zum Jahr 2000 einen Anstieg um knapp 79 %. Im Jahr 2024 befanden sich circa 410.000 Menschen in Krankenhausbehandlung wegen Erkrankungen, die auf das Rauchen zurückzuführen waren. 2019, vor den Pandemiejahren, waren es knapp 460.000 Aufenthalte.
181.000
181.000 Menschen in Deutschland, die sich 2024 in Krankenhausbehandlung aufgrund von raucherspezifischen Erkrankungen befanden, wurden wegen Lungen- und Bronchialkrebs behandelt, knapp 216.000 Menschen aufgrund einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).
Geschlechtsunterschiede
Geschlechtsunterschiede
55 %
Auf Männer entfielen im Jahr 2024 etwa 55 % der Krankenhausaufenthalte, auf Frauen 45 %. Im Jahr 2000 lag der Anteil der Männer noch bei gut 69 % (Frauen: knapp 31 %).
+ 60 %
Der stetig kleiner werdende Unterschied zwischen den Geschlechtern liegt vor allem an den stark angestiegenen Krankenhausaufenthalten von Frauen mit der Diagnose "Lungen- und Bronchialkrebs". Während im Jahr 2000 noch 45.701 Frauen mit dieser Diagnose in einem Krankenhaus behandelt wurden, waren es im Jahr 2024 bereits 77.615 Frauen – ein Plus von gut 70 % im Vergleich zum Jahr 2000. Die Anzahl der Männer mit dieser Diagnose sank hingegen im gleichen Zeitraum um 21,5 %. Mit etwas mehr als 100.000 Aufenthalten im Jahr 2024 sind Männer trotzdem noch deutlich häufiger von Krankenhausaufenthalten wegen Lungen- und Bronchialkrebs betroffen als Frauen (nicht in der Abbildung).
Suchthilfeeinrichtungen
Suchthilfeeinrichtungen
Viele Raucherinnen und Raucher möchten mit dem Rauchen aufhören. Dennoch sinkt der Anteil der Rauchenden, die einen Rauchstoppversuch unternehmen in den letzten Jahren kontinuierlich. Laut aktuellen Daten der DEBRA-Studie unternahmen 2024 im Schnitt nur 7,7 % der Personen, die in den letzten zwölf Monaten geraucht haben, mindestens einen ernsthaften Rauchstoppversuch.
Die Frage, wie viele Menschen sich in Deutschland in eine suchttherapeutische Behandlung auf Grund einer Tabakabhängigkeit begeben, ist dennoch schwierig zu beantworten. Nur wenige Menschen begeben sich wegen einer hauptsächlichen Tabakabhängigkeit in Beratung oder Behandlung in einer klassischen suchttherapeutischen Einrichtung, sodass Zahlen hierzu nicht verlässlich sind. Allerdings leiden viele Personen, die sich wegen anderer Suchtdiagnosen behandeln lassen, zusätzlich unter einer Tabakabhängigkeit: beispielsweise haben 58 % derjenigen, die sich mit der Hauptdiagnose einer Alkoholabhängigkeit in stationäre Behandlung begeben, auch die Diagnose der Tabakabhängigkeit.
Für Menschen außerhalb des „klassischen“ Suchthilfesystems bieten manche Krankenkassen inzwischen App-basierte Unterstützung bei der Entwöhnung an. Nutzungsdaten hierzu liegen nicht vor. Das BIÖG bietet eine kostenfreie Telefonberatung zur Rauchentwöhnung an. Seit August 2025 übernehmen alle gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für bestimmte Arzneimittel zur Rauchentwöhnung. Voraussetzung ist die ärztliche Diagnose einer schweren Tabakabhängigkeit und die Teilnahme an einem evidenzbasierten Programm zur Tabakentwöhnung
Folgeschäden
Zu welchen gesundheitlichen Folgeschäden kann Tabak- und Nikotinkonsum führen?
Laut Berechnungen im Tabakatlas 2025 sind etwa 20 % aller neu diagnostizierter Krebsfälle auf das Rauchen zurückzuführen. Rauchen ist damit der mit Abstand größte Risikofaktor für Krebserkrankungen.
Im Jahr 2024 verstarben laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes knapp über 80.000 Personen in Deutschland an raucherspezifischen Erkrankungen. Diese Zahl ist seit dem Jahr 2000 (58.404 Todesfälle) um gut 37 % angestiegen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) geht in seinen erweiterten Hochrechnungen gar von 130.780 durch Rauchen bedingte Todesfälle im Jahr 2023 aus.
Die Abbildungen unten zeigen nähere Angaben zur Tabakabhängigkeit, zu den durch das Rauchen bedingten Krebsneuerkrankungen sowie den Todesfällen wegen raucherspezifischer Erkrankungen.
Schätzung der raucherbedingten Todesfälle
Schätzung der raucherbedingten Todesfälle
Die Bestimmung, wie viele Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen sind, ist komplex. Rauchen kann die Entstehung zahlreicher Erkrankungen verursachen oder begünstigen. Das Statistische Bundesamt schließt in seinen Analysen zu den "Sterbefällen wegen raucherspezifischer Erkrankungen", auf die wir uns hier beziehen, lediglich folgende Krankheiten ein: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Lungen- und Bronchialkrebs, sowie Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs. Zu beachten ist jedoch, dass beispielsweise in einigen Fällen Herz-Kreislauf-Erkrankungen unmittelbar auf das Rauchen zurückzuführen sind, die wiederum zum Tod führen können und somit in die raucherbedingten Todesfälle einfließen sollten.
Das DKFZ hat im Tabakatlas 2025 in seinen Berechnungen zu den durch das Rauchen bedingten Todesfällen zahlreiche Krebs-, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen berücksichtigt. Das heißt, anhand nationaler wie internationaler Forschungsliteratur wurde bestimmt, wie viel Prozent der an diesen Erkrankungen verstorbenen Fälle jeweils auf das Rauchen zurückzuführen sind.
Hierbei ermittelte das DKFZ für das Jahr 2023 insgesamt 130.780 Personen, die an den gesundheitlichen Folgen des Rauchens verstarben (Tabakatlas 2025, S.70, pdf, ca. 50 MB). Leider liegt diese Schätzung lediglich für die Jahre 2019 und 2023 vor. Daher greifen wir hier auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zurück. Diese stellen allerdings methodisch bedingt sehr wahrscheinlich eine Unterschätzung der tatsächlichen Anzahl der durch das Rauchen bedingten Todesfälle dar.
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Datenquellen
Epidemiologischer Suchtsurvey
Epidemiologischer Suchtsurvey
Der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) ist eine seit 1980 regelmäßig durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Studie zur Erfassung des Konsums psychoaktiver Substanzen und substanzbezogener Belastung in der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland. Seit 1997 finden die Erhebungen alle drei Jahre statt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2024.
Die Daten werden mithilfe eines selbstauszufüllenden Fragebogens erfasst. Neben einer schriftlichen Beantwortung kann der Fragebogen seit 2006 zusätzlich mithilfe telefonischer Interviews sowie seit 2009 auch online beantwortet werden. Es handelt sich um Fragen zum Konsum von Tabak, Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten der Befragten. Neben der Einschätzung des aktuellen Substanzkonsums können durch die Berücksichtigung zeitlicher Trends gesundheitspolitisch problematische Entwicklungen erkannt werden.
Alle sechs Jahre erfolgt zudem eine vertiefte Erhebung von Substanzkonsumstörungen mithilfe eines standardisierten Fragebogens. Anhand dessen kann geschätzt werden, wie viele Personen die Diagnosekriterien der Tabakabhängigkeit gemäß einem internationalen Diagnose-Klassifikationssystem (DSM-IV) erfüllen.
Zielpersonen des ESA sind deutschsprachige, in Privathaushalten lebende Personen, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 18 und 64 Jahren alt sind. Die Ziehung der Personenstichprobe erfolgt auf Basis der Einwohnermelderegister in einem Zufallsverfahren. Die angestrebte Stichprobengröße umfasst für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren 8.000 Personen. Seit der Erhebung im Jahr 2024 werden darüber hinaus Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren befragt.
Die hier dargestellten Daten sind dem aktuellen Ergebnisbericht 2024 (eTabelle) entnommen.
Tabakatlas
Tabakatlas
Beim Tabakatlas Deutschland handelt es sich um ein umfassendes Nachschlagewerk mit Zahlen und Fakten zu Tabak, das in etwa alle fünf Jahre vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) herausgegeben wird. Er fasst aktuelle Daten zum Tabak- und Nikotinkonsum sowie seinen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen zusammen und soll das Bewusstsein für raucherbedingte Gesundheitsgefahren schärfen.
Als Nachschlagewerk fasst der Tabakatlas größtenteils Daten aus anderen Veröffentlichungen zusammen, zum Teil werden dort aber auch Berechnungen und Schätzungen durchgeführt, die nicht anderweitig veröffentlicht wurden.
Die hier dargestellten Daten sind dem aktuellen Bericht (Seite 68, pdf, ca. 50 MB) entnommen.
Todesursachenstatistik
Todesursachenstatistik
Was ist die häufigste Todesursache? Wie viele Menschen sterben täglich in Deutschland durch Schlaganfall, Herzinfarkt oder Suizid? Wie viele Krebstote gibt es? Antworten auf diese Fragen gibt die Todesursachenstatistik.
Die Todesursachenstatistik ist eine Vollerhebung aller Todesfälle in Deutschland. Grundlage ist die von den Ärztinnen bzw. Ärzten ausgestellte Todesbescheinigung, auf der die Krankheiten aufgelistet sind, die zum Tode geführt haben. Es besteht darüber hinaus noch die Möglichkeit, Begleiterkrankungen zu vermerken, die nicht direkt mit dem Tod in Verbindung stehen. Dabei unterscheidet man zwischen denjenigen Krankheiten, die unmittelbar und mittelbar zum Tode geführt haben, einschließlich derjenigen Krankheit, welche alle anderen bedingt (sogenanntes "Grundleiden"). Nur dieses Grundleiden als Auslöser aller anderen Krankheiten fließt als Todesursache in die Todesursachenstatistik ein (sogenannte "monokausale Aufbereitung").
Die hier dargestellten Daten sind der Gesundheitsberichterstattung des Bundes entnommen.
Ergebnisse
Tabakabhängigkeit
Tabakabhängigkeit
4,2 Mio.
8,8 % der Männer und 7,6 % der Frauen in Deutschland gelten als tabakabhängig. Hochgerechnet betrifft dies circa 4,2 Millionen erwachsene Personen zwischen 18 und 64 Jahren.
Neue Krebserkrankungen
Neue Krebserkrankungen
88.000
Im Jahr 2022 wurden rund 88.000 neue Krebserkrankungen, die auf das Rauchen zurückzuführen waren, diagnostiziert. Dies entspricht einem Anteil von knapp 20 % aller neu diagnostizierten Krebsfälle.
62,7 %
Die Geschlechtsunterschiede im Rauchverhalten spiegeln sich auch in den assoziierten Krebserkrankungen wider. Im Jahr 2022 betrafen 62,7 % der durch das Rauchen bedingten Krebsneuerkrankungen Männer, 37,3 % Frauen.
87 %
Die bei beiden Geschlechtern häufigste Krebsart ist der Lungenkrebs (hier zusammengefasst als Krebs der Luftröhre, Bronchien und Lunge). Etwa 87 % aller Lungenkrebserkrankungen sind bei Männern auf das Rauchen zurückzuführen, bei Frauen sind es 86 % (nicht in den Abbildungen enthalten).
Todesfälle
Todesfälle
80.000
Seit dem Jahr 2000 ist die Anzahl der Sterbefälle, welche auf raucherspezifische Erkrankungen zurückzuführen sind, um etwa 37 % angestiegen. Während es im Jahr 2000 etwa 58.000 Fälle waren, wurden im Jahr 2024 insgesamt knapp über 80.000 Sterbefälle wegen raucherspezifischen Erkrankungen verzeichnet.
56 %
Die geschlechterspezifischen Unterschiede spiegeln sich auch in den Sterbefällen wider. Männer machten im Jahr 2024 etwa 56 % aller durch raucherspezifische Erkrankungen bedingten Todesfälle aus, Frauen hingegen circa 44 %. Im Jahr 2000 lag der Männeranteil noch bei gut 71 %. Auch hier hat sich der Geschlechtsunterschied also sukzessive verringert.
Markt
Wie hoch sind die jährlichen Ausgaben der Tabakindustrie für Werbung, Promotion und Sponsoring?
Die deutsche Tabakindustrie gab laut Selbstauskunft im Jahr 2023 rund 260 Millionen Euro für Marketingmaßnahmen für Tabakprodukte aus. Den höchsten Anteil davon hatte der Bereich Promotion mit 226 Millionen Euro (2022: 200 Mio., 2021: 160 Mio., 2020: 146 Mio.).
Für Sponsoring wurden im selben Jahr 35 Millionen Euro ausgegeben (2022: knapp 13 Mio., 2021: knapp 6 Mio., 2020: 11 Mio.).
Den kleinsten Posten stellt Werbung mit 0,18 Millionen im Jahr 2023 (2022: 0,2 Mio., 2021: knapp 74 Mio., 2020: knapp 73 Mio.): Die im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gesunkenen Ausgaben für Werbung lassen sich auf die Änderungen des Tabakerzeugnisgesetzes zurückführen. Die Ausgaben für Promotion und Sponsoring sind im gleichen Zeitraum hingegen stark gestiegen.
Art und Umfang von Marketing haben, wie viele Studien zeigen, Einfluss auf den Konsum.
Wie hoch liegt der Verbrauch von Tabakprodukten in Deutschland?
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland ungefähr 66 Milliarden Zigaretten verbraucht.
Diese Zahlen veröffentlichen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder sowie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen jährlich anhand der Tabaksteuerstatistik.
ℹ Hinweis zu den Abbildungen Am oberen Rand der Abbildung können Sie sich mittels der Buttons (z. B. "Zigaretten/Zigarillos") durch verschiedene Ansichten klicken. Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Zigaretten“) können Sie zudem einzelne Balken/Linien aus- und wieder einblenden.
Datenquellen
Tabaksteuerstatistik
Tabaksteuerstatistik
Die Tabaksteuerstatistik dient der Beurteilung des Aufkommens an Tabaksteuer und des Absatzes an Tabakwaren. Dabei werden von den Steuerpflichtigen, die Steueranmeldungen abgeben (Hersteller / Einführer von Tabakwaren), Angaben zu Kleinverkaufspreisen, Absatzmengen sowie Steuerwerten unterteilt nach Tabakart erfasst. Tabakarten sind hier: Zigaretten, Zigarren, Zigarillos, Rauchtabak, erhitzter Tabak, Wasserpfeifentabak und Substitute für Tabakwaren.
Die hier dargestellten Daten sind der GENESIS-Datenbank des Statistischen Bundesamtes entnommen.
Selbstauskunft der Tabakindustrie
Selbstauskunft der Tabakindustrie
Die genannten Werbeausgaben sind Gegenstand einer jährlichen Selbstauskunft des Deutschen Zigarettenverbands (DVZ), des Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR), der Cigar Coalition Europe (CC), des Bundesverbands der Zigarrenindustrie (BdZ) und der Philip Morris GmbH (PMG). Grundlage ist Artikel 13 der Tabakrahmenkonvention.
Die Selbstauskünfte lassen sich hier einzeln abrufen: 2023, 2022, 2021, 2020.
Ergebnisse
Tabakwarenverbrauch
Tabakwarenverbrauch
66 Mrd.
Im Jahr 2024 lag der Tabakverbrauch durch Zigaretten in Deutschland insgesamt bei etwa 66 Milliarden. Somit ist der Tabakwarenverbrauch in Milliarden Zigaretten im Vergleich zum Jahr 2000 (knapp 140 Milliarden) um etwa 53 % gesunken, im Vergleich zum Vorjahr aber so stark angestiegen wie seit knapp 15 Jahren nicht mehr. Dem langfristigen Rückgang an konventionellen Tabakprodukten steht jedoch ein Anstieg des Konsums alternativer Tabakprodukte entgegen.
921
Der Konsum von knapp 66 Milliarden Zigaretten im Jahr 2024 entspricht etwa 921 Zigaretten pro Kopf (Bevölkerung ab 15 Jahren). Pro rauchender Person sind dies hochgerechnet ca. 4.900 Zigaretten bzw. 245 Schachteln im Jahr.
2,3 Mrd.
Der Tabakwarenverbrauch von Zigarren/Zigarillos blieb in den vergangenen 20 Jahren weitgehend konstant und belief sich im Jahr 2024 auf etwa 2,3 Milliarden Stück.
25.000 t
Der Verbrauch von Feinschnitt ist - trotz einiger zum Teil methodisch bedingter Schwankungen - relativ stabil und betrug im Jahr 2024 etwa 25.000 Tonnen.
"Nikotin ist hochgradig suchterzeugend – unabhängig davon, ob es über Zigaretten, Vapes oder andere Produkte aufgenommen wird. Insbesondere aromatisierte E-Zigaretten senken für Jugendliche die Einstiegshürde erheblich. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt, wie rasch sich eine Abhängigkeit entwickeln kann und wie sensibel die Hirnentwicklung in jungen Jahren auf Nikotin reagiert. Deshalb brauchen wir konsequente Jugendschutzkontrollen und eine ehrliche, verständliche Aufklärung über Risiken. Prävention wirkt dann am besten, wenn sie realistisch, alltagsnah und auf Augenhöhe stattfindet. Dafür müssen wir Eltern stärken, Schulen unterstützen und jungen Menschen Orientierung geben, bevor riskante Gewohnheiten überhaupt entstehen."
Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen