Stimulanzien in Deutschland
Der (illegale) Handel mit Kokain steigt in der EU stark an.
Illegale Drogen
Stimulanzien mögen dem Körper eine enorme Leistungsfähigkeit vorgaukeln: Energie führen sie aber keine zu.
Stimulanzien, zu denen Kokain, Crack, MDMA (oft als "Ecstasy" bezeichnet), Amphetamin (oft "Speed" oder Pep" genannt) sowie Methamphetamin ("Crystal Meth") gezählt werden, gehören zu den am häufigsten konsumierten illegalen Drogen in Deutschland. So haben 2024 laut Erhebungen hochgerechnet etwa 570.000 der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland innerhalb eines Jahres Kokain/Crack konsumiert. Kokain ist damit - nach der (Teil-)Legalisierung von Cannabis - die nunmehr am häufigsten konsumierte illegale Substanz in Deutschland.
Die Anzahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Vergiftungen oder Intoxikationen mit Stimulanzien steigt ebenfalls stetig an und im Jahr 2024 spielte der Konsum von Stimulanzien in etwas mehr als der Hälfte der drogenbedingten Todesfälle eine Rolle.
Was sind Stimulanzien?
Was sind Stimulanzien?
Stimulanzien haben eine anregende Wirkung auf den Körper. Sie können sich kurzzeitig positiv auf die Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und körperliche Leistungsfähigkeit auswirken. Dabei führen sie dem Körper aber keine Energie zu, sondern regen bestenfalls die Energiebereitstellung an, was zur Ausbeutung der Energiereserven führen kann.
Stimulanzien sind keine klar definierte Substanzklasse, die chemisch eine ähnliche Struktur haben. Vielmehr wird eine Vielfalt von Substanzen darunter gefasst: Neben Koffein oder Nikotin zählen auch Medikamente wie zum Beispiel Methylphenidat (Ritalin) dazu. An dieser Stelle fokussieren wir uns jedoch auf die folgenden illegalen Stimulanzien: Kokain, Crack, MDMA (Ecstasy), Amphetamin (Speed) und Methamphetamin (Crystal Meth).
Im Drogenlexikon von drugcom.de finden Sie mehr zu Kokain, Crack, MDMA, Amphetamin und Methamphetamin.
Hinweis zur Darstellung der Daten von Kokain/Crack
Hinweis zur Darstellung der Daten von Kokain/Crack
Kokain (genauer: Kokainhydrochlorid) ist ein weißes, kristallines Pulver. Es wird durch chemische Prozesse aus den Blättern des Coca-Strauchs gewonnen. Die häufigste Konsumform von Kokain ist das Sniefen bzw. Schnupfen. Der intravenöse Konsum sowie das Rauchen sind ebenfalls möglich, gelten aber als besonders riskant, da das Abhängigkeitspotenzial erhöht ist.
Crack wird durch weitere chemische Verarbeitung direkt aus dem Kokainpulver hergestellt. Die Wirkung von Crack ist in der Regel kurzlebiger, aber intensiver als die von Kokain. Crack wird meistens geraucht.
Mehr zu Kokain findet sich auf der Webseite: https://kokainfo.de/
In einigen hier verwendeten Daten wird nicht zwischen Kokain und Crack unterschieden. So basieren die veröffentlichten Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurveys auf dem Konsum von Kokain und/oder Crack (hiernach "Kokain/Crack"). Eine Sonderauswertung des ESA für die Jahre 1995 bis 2024 hat allerdings gezeigt, dass die 12-Monats-Prävalenz des Konsums von Crack stets zwischen 0,0 % und 0,1 % lag. Der in den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys erkennbare Konsumanstieg von Kokain/Crack ist daher primär einem Anstieg des Konsums von Kokain geschuldet. Das Klassifikationssystem für Erkrankungen ICD-10, worauf unter anderem die Diagnosen in der Krankenhausstatistik und der Deutschen Suchthilfestatistik basieren, unterscheidet ebenfalls nicht zwischen Kokain und Crack.
Verbreitung
Wie viele Personen konsumieren in Deutschland Stimulanzien?
Im Jahr 2024 haben ca. 1,1 %, hochgerechnet etwa 570.000 der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland Kokain/Crack konsumiert. Den Konsum von MDMA (Ecstasy) in den letzten 12 Monaten gaben ebenso mehr als 500.000 Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren an. Für Amphetamin (Speed) sind es etwa 380.000 Personen.
ℹ Hinweise zu den Abbildungen Am oberen Rand der Abbildung können Sie sich mittels der eingeblendeten Buttons durch verschiedene Ansichten (z. B. "Kokain/Crack") klicken. Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Erwachsene“) können Sie zudem einzelne Linien aus- und wieder einblenden.
Datenquellen
Epidemiologischer Suchtsurvey
Epidemiologischer Suchtsurvey
Wie viele erwachsene Personen in Deutschland konsumieren illegale Substanzen wie beispielsweise Kokain, Ecstasy (MDMA), Amphetamin oder Methamphetamin (Crystal Meth)? Dieser Frage gehen die Erhebungen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) nach. Dabei werden Erwachsene für jede der genannten Substanzen unter anderem gefragt, ob sie in den vergangenen 12 Monaten bei mindestens einer Gelegenheit eine der Substanzen konsumiert haben.
Der ESA ist eine seit 1980 regelmäßig durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Studie zur Erfassung des Konsums psychoaktiver Substanzen und substanzbezogener Belastung in der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland. Seit 1997 finden die Erhebungen alle drei Jahre statt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2024.
Die Daten werden mithilfe eines selbstauszufüllenden Fragebogens erfasst. Neben einer schriftlichen Beantwortung kann der Fragebogen seit 2006 zusätzlich mithilfe telefonischer Interviews sowie seit 2009 auch online beantwortet werden. Es handelt sich um Fragen zum Konsum von Tabak, Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten der Befragten. Neben der Einschätzung des aktuellen Substanzkonsums können durch die Berücksichtigung zeitlicher Trends gesundheitspolitisch problematische Entwicklungen erkannt werden.
Zielpersonen des ESA sind deutschsprachige, in Privathaushalten lebende Personen, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 18 und 64 Jahren alt sind. Die Ziehung der Personenstichprobe erfolgt auf Basis der Einwohnermelderegister in einem Zufallsverfahren. Die angestrebte Stichprobengröße für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren umfasst 8.000 Personen. Seit der Erhebung im Jahr 2024 werden darüber hinaus Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren befragt.
Die hier dargestellten Daten sind dem aktuellen Kurzbericht (Tabelle 8) entnommen.
Drogenaffinitätsstudie
Drogenaffinitätsstudie
Der Konsum illegaler Substanzen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird in der Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG) erhoben. Dazu werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt. Die Stichprobengrößen variierten in der Vergangenheit etwas. Seit 2015 beträgt sie aber etwa 7.000 Personen.
Die Drogenaffinitätsstudie wird seit 1973 alle drei bis vier Jahre erhoben und seit 2001 mittels computergestützter Telefoninterviews durchgeführt. Sie umfasst Fragen zu Konsum, Motiven und Einstellungen zu Alkohol, Tabak und illegalen Drogen. Die letzte Befragung im Jahr 2025 legte ausschließlich den Schwerpunkt auf Cannabis, weshalb die hier dargestellten Zahlen dem Bericht aus dem Jahr 2023 (Tabelle 9) entnommen wurden.
Ergebnisse
Kokain/Crack
Kokain/Crack
1,1 %
Kokain ist innerhalb der Stimulanzien die am häufigsten konsumierte Substanz. 1,1 % der Erwachsenen haben im Jahr 2024 mindestens ein Mal Kokain und oder Crack genommen. Etwa doppelt so viele Männer (1,4 %) wie Frauen (0,7 %) konsumierten 2024 Kokain.
+37,5 %
Nachdem 2021 der Anteil der Erwachsenen, die Kokain konsumieren, erstmals über 1,5 % lag, ist er 2024 wieder gesunken. Dennoch ist im Vergleich zu 2012 ein Anstieg von 37,5 % zu verzeichnen.
0,2 %
Unter den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen spielt der Kokainkonsum eine stark untergeordnete Rolle: 0,2 % der Befragten gaben Kokainkonsum im Jahr 2023 an.
MDMA (Ecstasy)
MDMA (Ecstasy)
1,0 %
1,0 % der 18- bis 64-Jährigen gaben 2024 an, in den letzten 12 Monaten mindestens ein Mal MDMA / Ecstasy konsumiert zu haben. Ähnlich wie bei Kokain nehmen Männer (1,3 %) MDMA häufiger als Frauen (0,7 %).
2x
Während 2012 noch 0,5 % der Erwachsenen angaben, in den letzten 12 Monaten MDMA konsumiert zu haben, waren es 2018 mit 1,0 % doppelt so viele. Seither verharrt dieser Wert relativ konstant bei letzterem Wert.
0,3 %
Bei Jugendlichen liegt der Anteil in fast allen Erhebungen bei weniger als 0,5 % der Befragten. Im Jahr 2023 gaben 0,3 % der 12- bis 17-Jährigen den Konsum von MDMA in den letzten 12 Monaten an.
Amphetamin (Speed)
Amphetamin (Speed)
0,7 %
0,7 % der 18- bis 64-Jährigen gaben den mindestens einmaligen Konsum von Amphetamin in den letzten 12 Monaten an. Erneut liegt der Anteil der Männer (0,9 %) über dem der Frauen (0,5 %).
- 50 %
Nachdem der Anteil derer, die in den letzten 12 Monaten Amphetamin nahmen, in den letzten Jahren stetig angestiegen ist und 2021 bei den 18- bis 64-Jährigen bei 1,4 % lag, hat er 2024 wieder abgenommen. Mit 0,7 % hat sich der Anteil 2024 in etwa halbiert.
0,4 %
Bei Jugendlichen liegt der Anteil fast durchgehend bei weniger als 0,5 % der Befragten. 2023 lag der Anteil bei 0,4 %.
Methamphetamin (Crystal Meth)
Methamphetamin (Crystal Meth)
0,04 %
Der Konsum von Methamphetamin / Crystal Meth wird erst seit 2015 bei Erwachsenen erhoben. In den ersten drei Befragungen gaben stets 0,2 % der 18- bis 64-Jährigen an, in den letzten 12 Monaten mindestens ein Mal Methamphetamin konsumiert zu haben. 2024 ist dieser ohnehin geringe Anteil mit 0,04 % nochmals zurückgegangen.
0,1 %
Ebenfalls seit 2015 wird der Konsum von Methamphetamin im Rahmen der Drogenaffinitätsstudie unter Jugendlichen erhoben. Nachdem dem in den ersten zwei Erhebungen 0,0 % der Jugendlichen angaben, Crystal Meth zu konsumieren, liegt der Wert 2023 bei 0,1 %. Dieser Anstieg ist nicht signifikant.
Behandlung
Inanspruchnahme der Versorgungssysteme
Die Anzahl der Personen, die sich auf Grund einer Vergiftung oder Intoxikation mit Kokain/Crack in stationäre Krankenhausbehandlung begeben müssen, wächst seit Jahren stetig an. Ebenso steigt der Anteil der Personen, die sich auf Grund ihrer Suchtproblematik mit Kokain/Crack oder anderen Stimulanzien in einer ambulanten oder stationären Suchthilfeeinrichtung behandeln lassen, seit dem Jahr 2000 stark an. Dies ergibt sich aus den Daten der Krankenhausstatistik der Jahre 2000 bis 2024 sowie der Deutschen Suchthilfestatistik.
ℹ Hinweise zu den Abbildungen Am oberen Rand der Abbildung können Sie sich mittels der eingeblendeten Buttons durch verschiedene Ansichten (z. B. "Krankenhausaufenthalte (Kokain)") klicken. Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Vergiftungen (Männer)“) können Sie zudem einzelne Linien aus- und wieder einblenden.
Datenquellen
Krankenhausstatistik
Krankenhausstatistik
In der Krankenhausstatistik melden sämtliche öffentliche und private Krankenhäuser in Deutschland verpflichtend Daten zu ihren entlassenen vollstationären Patientinnen und Patienten (Vollerhebung). Daten umfassen unter anderem die Erkrankungsart (Hauptdiagnose), Verweildauer, Fachabteilung sowie soziodemographische Merkmale der Patientinnen und Patienten (z. B. Alter, Geschlecht, Wohnort). Die Angaben umfassen auch die im Krankenhaus verstorbenen, nicht jedoch vor-, nach-, teilstationär oder ambulant behandelte Patientinnen und Patienten.
Krankenhausaufenthalte können hiermit detailliert nach Hauptdiagnosen aufgeschlüsselt ausgewertet werden. Die Hauptdiagnose wird gemäß dem Klassifikationssystem ICD-10 verschlüsselt.
Für die obigen Abbildungen werden für Kokain die ICD-10-Codes F14.0 (akute Intoxikation mit Kokain; worunter auch Crack gefasst wird) sowie T40.5 (Vergiftung mit Kokain; worunter auch Crack gefasst wird) dargestellt, für die anderen Stimulanzien der ICD-10-Code F15.0 (akute Intoxikation mit anderen Stimulanzien) herangezogen. Die Gruppe der T-Codes (Vergiftungen) enthält keinen separaten Code zu „anderen Stimulanzien“, so dass bei der Darstellung hierauf nicht zurückgegriffen werden kann.
Die dargestellten Daten sind der Gesundheitsberichterstattung des Bundes entnommen.
Deutsche Suchthilfestatistik
Deutsche Suchthilfestatistik
Die Deutsche Suchthilfestatistik (DSHS) erfasst deutschlandweit Beratungs- und Behandlungsvorgänge in ambulanten wie (teil-)stationären Einrichtungen der Suchthilfe.
Die Statistik wird jährlich erhoben und veröffentlicht, wobei Suchthilfeeinrichtungen grundsätzlich nicht zur Teilnahme verpflichtet sind. Dennoch beteiligt sich die Mehrheit der ambulanten Suchthilfeeinrichtungen (Datenjahr 2024: 77 %) sowie gut die Hälfte der stationären Rehabilitationseinrichtungen (Datenjahr 2024: 54 %) an der Erhebung. Da die Zusammensetzung der datenliefernden Einrichtungen von Jahr zu Jahr leicht variiert (offene Kohorte) lassen sich absolute Fallzahlen nur begrenzt interpretieren. Stattdessen wird hier der prozentuale Anteil der Behandlungen bzw. Betreuungen aufgrund der jeweiligen substanzbezogenen Problematik an allen Behandlungen bzw. Betreuungen, für die eine Hauptdiagnose vorliegt, dargestellt. Ein Vorteil des Heranziehens der prozentualen Anteile ist, dass Verteilungen aufgrund der großen Fallzahlen weniger anfällig gegenüber geringfügigen Veränderungen der Grundgesamtheit (das heißt, Anzahl und Zusammensetzung der teilnehmenden Einrichtungen) sind.
Die DSHS umfasst Informationen auf zwei Ebenen: Zum einen auf der Einrichtungsebene, wo primär strukturelle Merkmale und umgesetzte Angebote der Suchthilfeeinrichtungen erfasst werden. Zum anderen auf Ebene der durchgeführten Betreuungen / Behandlungen mit Informationen zur dort betreuten / behandelten Klientel (soziodemographische und suchtbezogene Aspekte, betreuungs- / behandlungsspezifische Merkmale).
Bei den hier dargestellten Daten handelt es sich jeweils um Zugänge an Betreuungen in der ambulanten Suchthilfe bzw. beendete Behandlungen in der stationäre Suchthilfe, für die eine Hauptdiagnose vorlag. Die Daten der einzelnen Jahre sowie eine detaillierte Erläuterung ihrer Erhebung sind unter www.suchthilfestatistik.de verfügbar.
Ergebnisse
Kokain/Crack
Kokain/Crack
1.152
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 1.152 Fälle von akuter Intoxikation oder Vergiftung mit Kokain/Crack in deutschen Krankenhäusern behandelt - mehr als vier Mal so viele wie noch im Jahr 2000 (277 Fälle).
4,8 x
Bei Männern bedeutet der Anstieg von 191 Fällen im Jahr 2000 auf 909 Fälle in 2024 gar einen Anstieg um das 4,8-fache. Frauen wurden 2024 (243 Fälle) fast drei Mal so häufig auf Grund einer Vergiftung oder Intoxikation mit Kokain/Crack im Krankenhaus behandelt wie noch im Jahr 2000 (86 Fälle).
4,8 %
Bei 4,8 % der ambulanten Betreuungen sowie bei 4,4 % der stationären Behandlungen stand im Jahr 2024 eine kokain-/crack-bedingte Problematik im Vordergrund.
Andere Stimulanzien
Andere Stimulanzien
2.184
2.184 Fälle von akuter Intoxikation mit anderen Stimulanzien (außer Kokain) wurden 2024 in deutschen Krankenhäusern behandelt – dies sind mehr als sieben Mal so viele wie noch im Jahr 2000 (282 Fälle).
10x
Im Jahr 2000 wurden noch 141 Männer auf Grund einer akuten Intoxikation mit anderen Stimulanzien (außer Kokain) behandelt, in 2024 waren es 1.408 – also knapp zehn Mal so viele. Bei Frauen gab es im gleichen Zeitraum einen Anstieg um das Fünffache (141 auf 776 Fälle).
5,6 %
Bei 5,6 % der ambulanten sowie bei 5,3 % der stationären Fälle standen im Jahr 2024 der missbräuchliche Konsum oder eine Abhängigkeit von anderen Stimulanzien (außer Kokain) im Vordergrund.
3:1
Der Anteil der Männer mit einer stimulanzienbezogenen Problematik liegt sowohl in der stationären (77 %) wie in der ambulanten Suchthilfe (70 %) bis zu drei Mal so hoch wie der Anteil der Frauen.
Folgeschäden
Zu welchen gesundheitlichen Folgeschäden kann der Konsum von Stimulanzien führen?
Im Allgemeinen gaukeln Stimulanzien dem Körper lediglich eine Energiezufuhr vor ohne tatsächlich Energie zu liefern. Stattdessen werden die eigenen Kraftreserven verbraucht, was zahlreiche körperliche Konsequenzen zur Folge haben kann: zum Beispiel Übererregung, Erhöhung von Körpertemperatur und Herzschlag, Bewusstseinsstörungen, gesteigerte Aggressivität, Angstzustände, Kreislaufversagen, Neurotoxizität (z. B. Absterben von Gehirngewebe) oder Herzinfarkt. Mehr zu den gesundheitlichen Folgen zu Kokain/Crack, MDMA (Ecstasy) und Amphetamin (Speed) findet sich unter anderem auf den Seiten von drugcom.de.
Einige Konsumierende entwickeln zudem einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit von Stimulanzien.
Abhängigkeit und Missbrauch
Abhängigkeit und Missbrauch
Laut Erhebung des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 erfüllen jeweils 0,1 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 64 Jahren die Kriterien eines Kokainmissbrauchs oder einer Kokainabhängigkeit. Männer sind dabei häufiger von Missbrauch betroffen als Frauen.
Einen Amphetamin- oder Methamphetaminmissbrauch bzw. eine Amphetamin- oder Methamphetaminabhängigkeit wiesen jeweils 0,1 % der Befragten auf.
Todesfälle
Todesfälle
Im Jahr 2024 verstarben laut Bundeskriminalamt (BKA) 2.137 Personen in Deutschland im Zusammenhang mit dem Konsum illegaler Substanzen. Kokain/Crack spielte in 698 Todesfällen eine Rolle, Amphetamin ("Speed") in 504 Fällen. Methamphetamin (148 Fälle) sowie MDMA (134 Fälle) spielten eine eher untergeordnete Rolle.
In den meisten Todesfällen, bei denen der Tod im Zusammenhang mit dem Konsum einer der vier genannten Stimulanzien steht, wurden zusätzlich weitere Substanzen eingenommen. So wurden bei circa 88,5 % der Todesfälle mit Beteiligung dieser vier Stimulanzien ein multipler Substanzgebrauch festgestellt. In den restlichen 11,5 % der Fälle war eine der vier Substanzen die einzige festgestellte Substanz.
Markt
Wie groß ist der Schwarzmarkt für Stimulanzien in Europa?
Daten zur Größe des Schwarzmarkts illegaler Substanzen sind naturgemäß nur schwer zu erheben. Laut Daten von Europol sowie der European Union Drugs Agency (EUDA) spielt der Handel mit Kokain, Amphetamin und MDMA jedoch laut Schätzungen eine bedeutende Rolle: Für das Jahr 2021 (aktuelle Daten) wird geschätzt, dass innerhalb der EU etwa 31 Milliarden Euro mit dem Handel illegaler Substanzen umgesetzt wurden. Hiervon entfallen 37 % (etwa 11,2 Milliarden Euro) auf Kokain, 5 % (etwa 1,6 Milliarde Euro) auf Amphetamin und 2 % (circa 0,6 Milliarden Euro) auf MDMA. Im Vergleich zur Erhebung aus dem Jahr 2019 stieg der geschätzte Umsatz von Kokain um gut 27 %.
Deutsche Daten zum Schwarzmarkt von Stimulanzien liegen nicht vor. Daten hinsichtlich der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz können gewisse Einblicke in deren Bedeutung liefern. So betrug laut BKA die Gesamtzahl der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz im Jahr 2024 etwa 228.000 Fälle. Auf Kokain entfielen dabei insgesamt 30.996 (circa 13,6 %) aller Delikte, auf Amphetamin 30.512 Fälle (circa 13,4 %), auf MDMA 8.250 Fälle (etwa 3,6 %) und auf Methamphetamin 8.631 Fälle (3,8 %).
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland zudem laut BKA elf Großlabore zur illegalen Herstellung bzw. Verarbeitung von Amphetaminen sichergestellt.
"Kokain und Crack breiten sich seit mehr als einem Jahrzehnt in Deutschland aus. Kokain ist zunehmend gesellschaftlich akzeptiert – von der Club- und Partyszene bis in die Innenstädte kleinerer Kommunen. Crack als eine besonders schnell und stark abhängig machende Form von Kokain führt zudem zu schwerer Verelendung. Viele Städte stehen dadurch vor großen Herausforderungen: unzureichende Hilfsangebote, steigende soziale und sicherheitsrelevante Belastungen. Um wirksam gegenzusteuern, brauchen wir spezialisierte Hilfen, solide finanzierte Prävention und belastbare Daten, die Veränderungen von Szenen früh sichtbar machen. Nur so können wir rechtzeitig und gezielt handeln."
Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen