Alkoholkonsum in Deutschland
Alkohol ist die mit Abstand am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz in Deutschland.
Alkohol
Alkoholkonsum ist an der Entstehung von über 200 Krankheiten beteiligt.
89,3 % aller Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren haben in den letzten 12 Monaten bei mindestens einer Gelegenheit Alkohol konsumiert. 10,8 % der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren weisen einen sog. riskanten Alkoholkonsum (siehe unten) auf – hochgerechnet knapp 5,5 Millionen Personen. Pro Kopf wurden im Jahr 2023 über 115 Liter an alkoholischen Getränken konsumiert. Im Jahr 2024 starben laut Statistischem Bundesamt knapp 14.500 Personen in Deutschland an einer ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingten Krankheit.
Was wird in der Forschung unter einem "riskanten Alkoholkonsum" verstanden?
Zunächst ist festzuhalten, dass es keine sichere Alkoholmenge für einen unbedenklichen Konsum gibt. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen betonen, dass jeglicher Alkoholkonsum riskant sei. Das individuelle Risiko alkoholbedingt zu erkranken oder psychische Schäden zu erleiden, steigt mit der Höhe des Alkoholkonsums. Die noch heute gebräuchliche Definition riskanter Alkoholmengen, die hier verwendet wird, basiert auf einer Grenzwertempfehlung für Erwachsene aus dem Jahr 2008 (Seitz, Bühringer & Mann, 2008). Damals wurde Männern empfohlen, nicht mehr als 24 Gramm, und Frauen, nicht mehr als 12 Gramm Reinalkohol pro Tag zu trinken. Jugendliche wurde empfohlen, den Konsum weitgehend zu meiden. Später wurde in einer Stellungnahme der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (2019) empfohlen, dass Erwachsene möglichst wenig oder keinen Alkohol und Jugendliche keinen Alkohol trinken sollten. Laut dem aktuellen Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (Richter, Trauer, Conrad et al., 2024) ist bei Männern und Frauen ab 27 Gramm Alkohol pro Woche (2 Liter Bier) von einem moderaten gesundheitlichen Risiko auszugehen. Für Jugendliche existieren nach wie vor keine Richtlinien zu einem weniger riskanten Konsum, da auch bei geringen Mengen Alkohol eine Schädigung nicht ausgeschlossen werden kann.
Verbreitung
Wie viele Personen in Deutschland konsumieren Alkohol?
Deutschland ist im internationalen Vergleich ein Hochkonsumland. 89,3 % aller Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren haben laut dem Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA) in den letzten 12 Monaten bei mindestens einer Gelegenheit Alkohol konsumiert, 85,2 % in den vergangenen 30 Tagen. Weitere 10,8 % der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren weisen einen riskanten Alkoholkonsum auf – hochgerechnet knapp 5,5 Millionen Personen. Zudem betreibt ca. jeder vierte Erwachsene episodisches Rauschtrinken.
Die Abbildungen unten zeigen, wie viel Prozent der Erwachsenen und Jugendlichen in den jeweils vergangenen 12 Monaten mindestens ein Mal Alkohol getrunken haben, wie viele einen riskanten Alkoholkonsum aufweisen und wie viel Prozent der Erwachsenen und Jugendlichen episodisches Rauschtrinken betreiben. Anmerkung: Die Einschätzung des "riskanten Alkoholkonsums" basiert auf Empfehlungen aus dem Jahr 2008 (siehe oben).
ℹ Hinweise zu den Abbildungen Am oberen Rand der Abbildung können Sie sich mittels der Buttons durch verschiedene Ansichten (z. B. "Riskanter Konsum") klicken. Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Männer“) können Sie zudem einzelne Linien ein- oder ausblenden.
Datenquellen
Epidemiologischer Suchtsurvey
Epidemiologischer Suchtsurvey
Wie viele erwachsene Personen in Deutschland konsumieren Alkohol? Dieser Frage gehen die Erhebungen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) nach. Dabei werden Erwachsene unter anderem gefragt:
- ob sie in den vergangenen 12 Monaten bei mindestens einer Gelegenheit Alkohol konsumiert haben und
- wie viel Alkohol sie in den vergangenen 30 Tagen konsumiert haben. Hieraus lässt sich errechnen, wie viele Personen eine riskante Menge Alkohol trinken.
Der ESA ist eine seit 1980 regelmäßig durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Studie zur Erfassung des Konsums psychoaktiver Substanzen und substanzbezogener Belastung in der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland. Seit 1997 finden die Erhebungen alle drei Jahre statt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2024.
Die Daten werden mithilfe eines selbstauszufüllenden Fragebogens erfasst. Neben einer schriftlichen Beantwortung kann der Fragebogen seit 2006 zusätzlich mithilfe telefonischer Interviews sowie seit 2009 auch online beantwortet werden. Es handelt sich um Fragen zum Konsum von Tabak, Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten der Befragten. Neben der Einschätzung des aktuellen Substanzkonsums können durch die Berücksichtigung zeitlicher Trends gesundheitspolitisch problematische Entwicklungen erkannt werden.
Zielpersonen des ESA sind deutschsprachige, in Privathaushalten lebende Personen, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 18 und 64 Jahren alt sind. Die Ziehung der Personenstichprobe erfolgt auf Basis der Einwohnermelderegister in einem Zufallsverfahren. Die angestrebte Stichprobengröße für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren umfasst 8.000 Personen. Seit der Erhebung im Jahr 2024 werden darüber hinaus Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren befragt.
Die hier dargestellten Daten beruhen zum Teil auf Sonderauswertungen des ESA oder sind dem aktuellen Kurzbericht (Tabelle 1 und Tabelle 4) entnommen.
Alkoholsurvey und Drogenaffinitätsstudie
Alkoholsurvey und Drogenaffinitätsstudie
Der Alkoholkonsum von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird in zwei Befragungen des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG) erhoben: dem Alkoholsurvey sowie der Drogenaffinitätsstudie. Die Zielstichprobe beider Erhebungen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren. Die Stichprobengrößen variierten in der Vergangenheit etwas. Seit 2015 beträgt sie aber für beide Erhebungen etwa 7.000 Personen.
In beiden Erhebungen werden die Fragebögen mittels eines computergestützten Telefoninterviews erhoben. Der Alkoholsurvey wurde im Zeitraum von 2010 bis 2018 alle zwei Jahre wiederholt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2021. Der Fragebogen umfasst Fragen zum Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis der Befragten. Die Drogenaffinitätsstudie wird seit 1973 alle drei bis vier Jahre erhoben. Sie umfasst Fragen zu Konsum, Motiven und Einstellungen zu Alkohol, Tabak und illegalen Drogen. Die letzte Befragung, in der auch der Alkoholkonsum erhoben wurde, erfolgte im Jahr 2023; der Bericht hierzu erschien 2025.
Die hier dargestellten Daten sind dem aktuellen Bericht entnommen, insbesondere Tabelle 24, Tabelle 27 und Tabelle 28.
Ergebnisse
12-Monats-Konsum
12-Monats-Konsum
89,3 %
89,3 % der Erwachsenen von 18 bis 64 Jahren tranken 2024 mindestens ein Mal Alkohol. Dieser Anteil hat sich seit 2012 kaum verändert. Generell bewegt sich der Alkoholkonsum – sowohl im europäischen wie im globalen Vergleich – nach wie vor auf sehr hohem Niveau.
54 %
Unter den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen kann langfristig ein stärkerer Rückgang beobachtet werden: Während 54 % der Jugendlichen im Jahr 2023 mindestens ein Mal pro Jahr Alkohol tranken, waren es 2010 noch knapp 63 %. Allerdings liegt der Wert 2023 um knapp 6 Prozentpunkte über dem vorherigen Wert aus dem Jahr 2021, was einen statistisch signifikanten Anstieg bedeutet. Er ist damit ähnlich hoch wie 2019 (53,2 %). Es ist nicht auszuschließen, dass der Wert 2021 coronabedingt besonders niedrig lag.
Riskanter Konsum
Riskanter Konsum
10,8 %
Im Hinblick auf riskante Konsummengen bei Erwachsenen ist seit 2012 ein leichter Anstieg zu verzeichnen. 2024 stieg der Anteil derer, die riskante Mengen Alkohol konsumierten, mit 10,8 % auf den bisherigen Höchstwert an.
4,0 %
Für Jugendliche gibt es im Gegensatz zu den Erwachsenen keine verbindlichen Standards dafür, was als "riskante" oder als "risikoarme" Konsummengen und Konsummuster gelten. Zieht man die Grenzwerte für Erwachsene heran, so nahm der der Jugendlichen, die riskante Mengen Alkohol zu sich nahmen, im Vergleich zum Jahr 2010 (5,5 %) leicht ab, und lag 2023 bei 4,0 %. Dieser Rückgang ist zwar positiv zu werten. Aufgrund der potenziellen Schäden am heranwachsenden Organismus auch bei geringen Trinkmengen dürfen die anderen 96 % des Konsums aber keinesfalls als "risikoarm" eingestuft werden.
Episodisches Rauschtrinken
Episodisches Rauschtrinken
27,0 %
Das episodische Rauschtrinken lag bei Erwachsenen zwischen den Jahren 2012 und 2021 auf konstantem Niveau zwischen 33,3 % und 35,5 %. 2024 ist der Anteil auf 27,0 % zurückgegangen.
13,8 %
Während im Jahr 2010 noch fast 17 % der Jugendlichen episodisches Rauschtrinken angaben, liegt der Anteil seit 2014 mit Ausnahme von 2021 (9,4 %) relativ konstant zwischen 12 und 14 %. Ein Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist für den niedrigen Wert im Jahr 2021 nicht auszuschließen.
Geschlechtsunterschiede
Geschlechtsunterschiede
5 %P
Der Geschlechterunterschied im 12-Monats-Konsum bei Erwachsenen ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen und beträgt im Jahr 2024 5 Prozentpunkte. Während 91,8 % der Männer in den vergangenen 12 Monaten Alkohol tranken, taten dies auch 86,8 % der Frauen.
4 %P
Auch beim riskanten Konsum sind Geschlechtsunterschiede zwischen Männern und Frauen festzustellen. Seit 2012 schwankt die Differenz meist zwischen 3 und 4 Prozentpunkten. So sind es 2024 12,7 % der Männer und 8,6 % der Frauen, die in den letzten 30 Tagen riskante Mengen Alkohol zu sich nahmen.
+/- 0
Bei den 12- bis 17-Jährigen gab es seit 2010 kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern, weder beim 12-Monats-Konsum noch beim Anteil derer, die riskante Trinkmengen konsumieren. 2023 lag allerdings der Anteil an männlichen Jugendlichen, die in den letzten 12 Monaten Alkohol getrunken haben, erstmalig mehr als 4 Prozentpunkte über dem der weiblichen Jugendlichen.
> 2 x
Männer betreiben mehr als doppelt so häufig episodisches Rauschtrinken wie Frauen. Während dies 35,5 % der erwachsenen Männer im Jahr 2024 angaben, taten dies innerhalb der letzten 30 Tage vor der Befragung 16,9 % der Frauen. Unter Jugendlichen liegt der Anteil der männlichen 12- bis 17-Jährigen in den meisten Jahren ebenfalls deutlich über dem der weiblichen.
Behandlung
Inanspruchnahme der Versorgungssysteme
Im Jahr 2024 gingen knapp 285.000 Krankenhausaufenthalte auf eine ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingte Erkrankung zurück. Dies entspricht etwa 1,6 % aller im Jahr 2024 registrierten Krankenhausaufenthalte (rund 17,5 Millionen).
In ambulanten Suchthilfeeinrichtungen und stationären Rehabilitationseinrichtungen sind alkoholbezogene Störungen mit Abstand die häufigsten Hauptdiagnosen.
Dies zeigen Daten der Krankenhausstatistik beziehungsweise der Deutschen Suchthilfestatistik.
ℹ Hinweise zu den Abbildungen Am oberen Rand der Abbildung können Sie sich mittels der Buttons (z. B. "Suchthilfe") durch verschiedene Ansichten klicken. Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Insgesamt“) können Sie zudem einzelne Linien aus- und wieder einblenden.
Datenquellen
Krankenhausstatistik
Krankenhausstatistik
In der Krankenhausstatistik melden sämtliche öffentliche und private Krankenhäuser in Deutschland verpflichtend Daten zu ihren entlassenen vollstationären Patientinnen und Patienten (Vollerhebung). Daten umfassen unter anderem die Erkrankungsart (Hauptdiagnose), Verweildauer, Fachabteilung sowie soziodemographische Merkmale der Patientinnen und Patienten (z. B. Alter, Geschlecht, Wohnort). Die Angaben umfassen auch die im Krankenhaus verstorbenen, nicht jedoch vor-, nach-, teilstationär oder ambulant behandelte Patientinnen und Patienten.
Krankenhausaufenthalte können hiermit detailliert nach Hauptdiagnosen aufgeschlüsselt ausgewertet werden. Die Hauptdiagnose wird gemäß dem Klassifikationssystem ICD-10 verschlüsselt.
In die Auswertung der Krankenhausaufenthalte der alkoholbedingten Erkrankungen flossen, unter anderem analog zum Vorgehen im Alkoholatlas, insgesamt 17 unterschiedliche Erkrankungen ein.
Die dargestellten Daten sind der Gesundheitsberichterstattung des Bundes entnommen.
Deutsche Suchthilfestatistik
Deutsche Suchthilfestatistik
Die Deutsche Suchthilfestatistik (DSHS) erfasst deutschlandweit Beratungs- und Behandlungsvorgänge in ambulanten wie (teil-)stationären Einrichtungen der Suchthilfe.
Die Statistik wird jährlich erhoben und veröffentlicht, wobei Suchthilfeeinrichtungen grundsätzlich nicht zur Teilnahme verpflichtet sind. Dennoch beteiligt sich die Mehrheit der ambulanten Suchthilfeeinrichtungen (Datenjahr 2024: 77 %) sowie gut die Hälfte der stationären Rehabilitationseinrichtungen (Datenjahr 2024: 54 %) an der Erhebung. Da die Zusammensetzung der datenliefernden Einrichtungen von Jahr zu Jahr leicht variiert (offene Kohorte) lassen sich absolute Fallzahlen nur begrenzt interpretieren. Stattdessen wird hier der prozentuale Anteil der Behandlungen bzw. Betreuungen aufgrund der jeweiligen substanzbezogenen Problematik an allen Behandlungen bzw. Betreuungen, für die eine Hauptdiagnose vorliegt, dargestellt. Ein Vorteil des Heranziehens der prozentualen Anteile ist, dass Verteilungen aufgrund der großen Fallzahlen weniger anfällig gegenüber geringfügigen Veränderungen der Grundgesamtheit (das heißt, Anzahl und Zusammensetzung der teilnehmenden Einrichtungen) sind.
Die DSHS umfasst Informationen auf zwei Ebenen: Zum einen auf der Einrichtungsebene, wo primär strukturelle Merkmale und umgesetzte Angebote der Suchthilfeeinrichtungen erfasst werden. Zum anderen auf Ebene der durchgeführten Betreuungen / Behandlungen mit Informationen zur dort betreuten / behandelten Klientel (soziodemographische und suchtbezogene Aspekte, betreuungs- / behandlungsspezifische Merkmale).
Bei den hier dargestellten Daten handelt es sich jeweils um Zugänge an Betreuungen in der ambulanten Suchthilfe bzw. beendete Behandlungen in der stationäre Suchthilfe, für die eine Hauptdiagnose vorlag. Die Daten der einzelnen Jahre sowie eine detaillierte Erläuterung ihrer Erhebung sind unter www.suchthilfestatistik.de verfügbar.
Ergebnisse
Krankenhausaufenthalte
Krankenhausaufenthalte
283.499
283.499 Krankenhausaufenthalte gingen im Jahr 2024 auf eine ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingte Erkrankung bzw. Diagnose zurück. Hierunter fällt beispielsweise die akute Intoxikation / akuter Rausch mit Alkohol (F10.0). Auffällig ist, dass die meisten Fälle dieser Diagnose in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen verzeichnet werden (ca. 7.300 Fälle; nicht in der obigen Abbildung berücksichtigt).
Den größten Teil der unter „alkoholbedingte Erkrankungen bzw. Diagnosen“ gefassten ICD-Codes macht mit etwa 124.000 Fällen indes die Diagnose F10.2 (Abhängigkeitssyndrom durch Alkohol) aus. Von diesen ca. 124.000 Fällen entfallen gut 75.000 Fälle (ca. 60 %) auf Männer zwischen 30 und 65 Jahren.
3:1
Männer werden knapp drei Mal häufiger als Frauen aufgrund von alkoholbedingten Krankheiten im Krankenhaus behandelt: circa 73 % dieser Aufenthalte betreffen Männer, 27 % Frauen.
Suchthilfeeinrichtungen
Suchthilfeeinrichtungen
63 %
Bei 63 % aller Behandlungen in stationären Rehabilitationseinrichtungen stand 2024 eine alkoholbezogene Problematik im Vordergrund. Damit liegt Alkohol weit vor der zweithäufigsten substanzbezogenen Störung (Cannabinoide, 10,6 %).
51 %
In knapp über der Hälfte der Betreuungen der ambulanten Suchthilfe stand 2024 ebenfalls eine alkoholbezogene Problematik im Vordergrund. Mit recht deutlichem Rückstand folgen Cannabinoide (15,8 %).
70 %
Der Männeranteil mit einer alkoholbezogenen Problematik liegt sowohl in stationären (70 %) wie in ambulanten Suchthilfen (69 %) deutlich höher als der Anteil der Frauen (30 % bzw. 31 %).
Folgeschäden
Zu welchen gesundheitlichen Folgeschäden kann Alkoholkonsum führen?
Hochgerechnet leiden circa 2,1 Millionen Menschen in Deutschland unter einer Alkoholabhängigkeit. Mehr als 20.000 neu diagnostizierte Krebserkrankungen ließen sich im Jahr 2022 in Deutschland auf den Konsum von Alkohol zurückführen. Und 2024 verstarben etwa 14.500 Personen an einer ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingten Krankheit.
Neben diesen unmittelbaren Folgeschäden für die eigene Gesundheit kann der Alkoholkonsum auch Leid bei Angehörigen verursachen und zu Unfällen und Gewalt führen. So steht bei mehr als 5 % aller Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden mindestens einer der Unfallbeteiligten unter Alkoholeinfluss. Etwa 8,5 % aller Straftatverdächtigen standen während der Tat unter Alkoholeinfluss. Bei einzelnen Delikten ist der Anteil deutlich höher. So liegt der Anteil beim Tatbestand „Körperverletzung“ bei knapp 20 %, beim „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“ bei knapp 50 %.
Die Abbildungen unten zeigen nähere Angaben zu Alkoholabhängigkeit und -missbrauch, zu den neu diagnostizierten, durch Alkoholkonsum bedingte Krebsdiagnosen sowie den Todesfällen, die auf ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingte Krankheiten zurückzuführen sind.
ℹ Hinweise zu den Abbildungen Am oberen Rand der Abbildung können Sie sich mittels der Buttons durch verschiedene Ansichten (z. B. „Krebs“) klicken. Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Männer“) können Sie zudem einzelne Balken / Linien aus- und wieder einblenden.
Datenquellen
Epidemiologischer Suchtsurvey
Epidemiologischer Suchtsurvey
Der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) ist eine seit 1980 regelmäßig durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Studie zur Erfassung des Konsums psychoaktiver Substanzen und substanzbezogener Belastung in der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland. Seit 1997 finden die Erhebungen alle drei Jahre statt. Die letzte Befragung erfolgte im Jahr 2024.
Die Daten werden mithilfe eines selbstauszufüllenden Fragebogens erfasst. Neben einer schriftlichen Beantwortung kann der Fragebogen seit 2006 zusätzlich mithilfe telefonischer Interviews sowie seit 2009 auch online beantwortet werden. Es handelt sich um Fragen zum Konsum von Tabak, Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten der Befragten. Neben der Einschätzung des aktuellen Substanzkonsums können durch die Berücksichtigung zeitlicher Trends gesundheitspolitisch problematische Entwicklungen erkannt werden.
Alle sechs Jahre erfolgt zudem eine vertiefte Erhebung von Substanzkonsumstörungen mithilfe eines standardisierten Fragebogens. Anhand dessen kann geschätzt werden, wie viele Personen die Diagnosekriterien der Alkoholabhängigkeit bzw. des -missbrauchs gemäß einem internationalen Diagnose-Klassifikationssystem (DSM-IV) erfüllen.
Zielpersonen des ESA sind deutschsprachige, in Privathaushalten lebende Personen, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 18 und 64 Jahren alt sind. Die Ziehung der Personenstichprobe erfolgt auf Basis der Einwohnermelderegister in einem Zufallsverfahren. Die angestrebte Stichprobengröße für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren umfasst 8.000 Personen. Seit der Erhebung im Jahr 2024 werden darüber hinaus Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren befragt.
Die dargestellten Daten sind dem Ergebnisbericht 2024 (eTabelle) entnommen.
Alkoholatlas
Alkoholatlas
Beim Alkoholatlas Deutschland handelt es sich um ein umfassendes Nachschlagwerk mit Zahlen und Fakten zu Alkohol. Er fasst aktuelle Daten zum Alkoholkonsum sowie seinen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen zusammen und soll das Bewusstsein für alkoholbedingte Gesundheitsgefahren schärfen.
Als Nachschlagwerk fasst der Alkoholatlas größtenteils Daten aus anderen Veröffentlichungen zusammen, zum Teil werden dort aber auch Berechnungen und Schätzungen durchgeführt, die nicht anderweitig veröffentlicht wurden.
Die hier dargestellten Daten sind dem aktuellen Alkoholatlas 2022 (S.70/71) entnommen.
Todesursachenstatistik
Todesursachenstatistik
Was ist die häufigste Todesursache? Wie viele Menschen sterben täglich in Deutschland durch Schlaganfall, Herzinfarkt oder Suizid? Wie viele Krebstote gibt es? Antworten auf diese Fragen gibt die Todesursachenstatistik.
Die Todesursachenstatistik ist eine Vollerhebung aller Todesfälle in Deutschland. Grundlage ist die von den Ärztinnen bzw. Ärzten ausgestellte Todesbescheinigung, auf der die Krankheiten aufgelistet sind, die zum Tode geführt haben. Es besteht darüber hinaus noch die Möglichkeit, Begleiterkrankungen zu vermerken, die nicht direkt mit dem Tod in Verbindung stehen. Dabei unterscheidet man zwischen denjenigen Krankheiten, die unmittelbar und mittelbar zum Tode geführt haben, einschließlich derjenigen Krankheit, welche alle anderen bedingt (sogenanntes "Grundleiden"). Nur dieses Grundleiden als Auslöser aller anderen Krankheiten fließt als Todesursache in die Todesursachenstatistik ein (sogenannte "monokausale Aufbereitung").
In die Auswertung der Todesfälle durch eine ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingte Krankheit flossen, unter anderem analog zum Vorgehen im Alkoholatlas, insgesamt 17 unterschiedliche Erkrankungen ein.
Die hier dargestellten Daten sind der Gesundheitsberichterstattung des Bundes entnommen.
Ergebnisse
Abhängigkeit und Missbrauch
Abhängigkeit und Missbrauch
2,1 Mio.
Im Jahr 2024 litten hochgerechnet rund 1,3 Mio. Männer sowie ca. 775.000 Frauen, also insgesamt etwa 2,1 Mio. Erwachsene im Alter zwischen 18 und 64 Jahren unter einer Alkoholabhängigkeit.
63 %
Circa 63 % derer, die unter einer Alkoholabhängigkeit leiden, sind Männer, 37 % Frauen.
In einer wissenschaftlichen Veröffentlichung berichteten Arnaud und Kollegen (2023) für Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren, dass 7,0 % unter Alkoholmissbrauch und 3,1 % unter Alkoholabhängigkeit leiden. Diese sehr hohen Zahlen sind zumindest auch darauf zurückzuführen, dass in der Studie ein Screening-Instrument eingesetzt wurde, bei dem das Vorkommen von Substanzstörungen in der Regel überschätzt wird.
Neue Krebserkrankungen
Neue Krebserkrankungen
4 %
Die etwa 20.000 neu diagnostizierten Krebsfälle im Jahr 2022 entsprechen einem Anteil von etwa 4 % aller neu diagnostizierten Krebserkrankungen (jährlich werden etwa 500.000 neue Krebserkrankungen in Deutschland diagnostiziert).
2,4 x
Männer (circa 14.000 neue Erkrankungen) erkranken mehr als doppelt so häufig wie Frauen (circa 6.000 neue Erkrankungen) an durch Alkoholkonsum bedingtem Krebs.
60 %
Bei Frauen macht Brustkrebs fast 60 % der neuen alkoholbedingten Krebserkrankungen aus. Die häufigste alkoholbedingte Krebserkrankung bei Männern ist mit ebenfalls etwa 60 % Darmkrebs.
Todesfälle
Todesfälle
14.386
Zwischen den Jahren 2000 und 2007 war ein leichter Rückgang der Todesfälle, die auf ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingte Krankheiten zurückzuführen sind, zu verzeichnen. Seither sind lediglich Schwankungen zu verzeichnen. 2024 waren es 14.386 Todesfälle.
74 %
Knapp 74 % der alkoholbedingten Todesfälle im Jahr 2024 betrafen Männer, ca. 26 % Frauen.
Markt
Wie hoch liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol in Deutschland?
Menschen in Europa sind nach den neuesten Daten der Weltgesundheitsorganisation (2024) die stärksten Trinker der Welt. Deutschland belegt dabei einen Platz unter den ersten zwanzig Ländern weltweit.
Die Abbildung unten zeigt den Pro-Kopf-Verbrauch in Litern für Bier, Wein oder Schaumwein und Spirituosen sowie die Gesamtsumme pro Jahr. Diese belief sich im Jahr 2023 in Deutschland auf 115,3 Liter. Hier ist zu beachten, dass diese Menge auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands hochgerechnet wird. Da Kinder aber keinen bis sehr wenig Alkohol konsumieren, liegt der "wahre Verbrauch" eines Erwachsenen in Deutschland höher. Bezogen auf die Bevölkerung ab 15 Jahren, läge der Pro-Kopf-Verbrauch anstatt bei 115 Litern bei ca. 134 Litern und der Pro-Kopf-Bier-Verbrauch bei etwa 102 Litern pro Jahr.
ℹ Hinweis zur Abbildung Durch Klicken auf die Beschreibungen in den Grafik-Legenden (z. B. „Insgesamt“) können Sie einzelne Linien aus- und wieder einblenden.
Datenquelle
Jahrbuch Sucht 2025
Jahrbuch Sucht 2025
Das "Jahrbuch Sucht" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen wird jährlich veröffentlicht und fasst die neuesten Statistiken zum Konsum von Tabak sowie zu Glücksspiel, Essstörungen, Delikten unter Alkoholeinfluss, Suchtmitteln im Straßenverkehr und zur Rauschgiftlage zusammen. Es informiert darüber hinaus u.a. auch über Zahlen und Fakten zum Cannabiskonsum und über internetbezogene Störungen.
Das Jahrbuch Sucht 2025 ist kostenlos als pdf-Datei abrufbar.
Ergebnisse
Pro-Kopf-Verbrauch
Pro-Kopf-Verbrauch
115 l
Pro Kopf wurden im Jahr 2023 ca. 115 Liter an alkoholischen Getränken konsumiert. Der Großteil, 88 Liter, entfällt auf Bier.
Da der Pro-Kopf-Verbrauch bei dieser Statistik auf die Gesamtbevölkerung berechnet wird, Kinder aber keinen bis sehr wenig Alkohol konsumieren, liegt der "wahre Verbrauch" eines Erwachsenen in Deutschland deutlich höher. Bezogen auf die Bevölkerung ab 15 Jahren und älter, läge der Pro-Kopf-Verbrauch alkoholischer Getränke insgesamt bei ca. 134 Litern und der Pro-Kopf-Bier-Verbrauch bei etwa 102 Litern pro Jahr.
-25 %
Seit dem Jahr 2000 sank der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol um etwa 25 %. Das ist hauptsächlich auf einen Rückgang beim Verbrauch von Bier zurückzuführen, der Verbrauch von Spirituosen und Wein oder Schaumwein ist in den letzten 20 Jahren weitgehend konstant.
"Alkohol bleibt eine der gesundheitlich vermeidbarsten und zugleich oft unterschätzten Drogen – trotz der seit mehreren Jahren erfreulichen Rückgänge beim Konsum unter Jugendlichen. Alkohol verursacht erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Schäden. Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Schon geringe Mengen erhöhen das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Störungen. Es geht daher nicht um moralische Debatten, sondern um kluge und wirksame Rahmenbedingungen. Wer Kinder und Jugendliche schützen will, muss früh ansetzen – mit realistischen Regeln, wirksamer Prävention und einer Kultur, die Risiken klar benennt. Häufig sind es gerade kleine, konsequent umgesetzte Maßnahmen, die große Effekte erzielen, wenn sie die Menschen mitnehmen."
Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen